Tennis Forum banner

3681 - 3700 of 3840 Posts

·
Registered
Joined
·
16,993 Posts
„Merkel muss weg, so schnell wie möglich“.. interessantes Demokratieverständnis..;) ansonsten geniales Posting, selten so gelacht.
Ja, wirklich unheimlich witzig. :rolleyes: Ich mache mir eben Sorgen um unsere Demokratie, denn die ist in ernster Gefahr, auch wenn du natürlich alles, was sich gegen die ach so böse AfD richtet, wahrscheinlich ganz toll findest.

"Merkel muss weg" ist natürlich politisch gemeint und drückt aus, dass man will, dass sie bei einer demokratischen Wahl endlich abgewählt wird. Was denn sonst? Also wirklich. :rolleyes:

Wie findest du denn das, was gestern und heute passiert ist? Was hältst du davon, dass ein Politiker zurücktreten muss, nur weil er sich erdreistet hat, einem anderen, wohl gemerkt demokratisch gewählten (!) Politiker, zu dessen Wahl zu gratulieren? Findest du das etwa normal für ein Land, das sich Demokratie schimpft? Oder freust du dich einfach nur darüber, dass in Thüringen bald wieder rot-rot-grün weiter regieren kann und ein Ministerpräsident von der Mauermörderpartei wieder an der Macht ist?
 

·
Registered
Joined
·
83,661 Posts
Ja, wirklich unheimlich witzig. :rolleyes: Ich mache mir eben Sorgen um unsere Demokratie, denn die ist in ernster Gefahr, auch wenn du natürlich alles, was sich gegen die ach so böse AfD richtet, wahrscheinlich ganz toll findest.

"Merkel muss weg" ist natürlich politisch gemeint und drückt aus, dass man will, dass sie bei einer demokratischen Wahl endlich abgewählt wird. Was denn sonst? Also wirklich. :rolleyes:

Wie findest du denn das, was gestern und heute passiert ist? Was hältst du davon, dass ein Politiker zurücktreten muss, nur weil er sich erdreistet hat, einem anderen, wohl gemerkt demokratisch gewählten (!) Politiker, zu dessen Wahl zu gratulieren? Findest du das etwa normal für ein Land, das sich Demokratie schimpft? Oder freust du dich einfach nur darüber, dass in Thüringen bald wieder rot-rot-grün weiter regieren kann und ein Ministerpräsident von der Mauermörderpartei wieder an der Macht ist?
Das ist alles so grotesk dass einem die Worte fehlen..jetzt sollen die, die für Kemmerich gestimmt haben und GEGEN Ramelow also dann auf einmal alle für Ramelow stimmen weil es von oben angeordnet ist..dieser Ramelow ist derart schamlos dass einem wirklich nichts mehr einfällt! Und das soll " demokratisch" sein..na dann
 

·
Registered
Joined
·
83,661 Posts
Diese Frau bewundere ich sehr, kenne sie auch persönlich..und sie ist bei der Linkspartei..20 Minuten die sich lohnen...


" Helmut Berger glaubt Stuttgart ist Hollywood"
." Die Linken sollen mehr Sozialpolitik machen und weniger Schiess Fahrradwege"
"Man soll Veganer werden, soll Fahrrad fahren, man darf nicht in den Darkroom."
" Menschen, die nicht wissen was sie zu Essen auf den Tisch stellen sollen ab dem 15. ist es scheissegal ob es 5 oder 15 Fahrradwege gibt..Politik muss endlich die Realitäten sehen"
 

·
Registered
Joined
·
19,436 Posts
Ich finde jetzt seid ihr diejenigen, die Haarspalterei betreiben. Für mich wird da auch überhaupt nichts an der Nazizeit verharmlost. Es ist halt so. Macht einfach mal das Gedankenexperiment und setzt Höcke in eine gedanklichen Zeitmaschine in die 1930er. Und da wollt ihr mir ernsthaft erzählen, dass der nicht mit leuchtenden Augen und erhobenem rechten Arm den Nationalsozialisten hinterher gelaufen wäre?

Abgesehen davon will er ja auch genauso sein. Wer sein Buch in einem Stil verfasst, als würde es sich um die die Forsetzung von "Mein Kampf" handeln, steht doch total auf diese Vergleiche.

Gauland würde ich da z.B. eher in die 1950er/1960er absetzen. Für mich die Inkarnation eines Ewiggestrigen, der diese Nachkriegszeitmentalität feiert und sich die überschaubare Welt von damals zurückwünscht. Nur ist diese Haltung eben sehr gefährlich, weil man dann schnell diese extremeren Charaktere duldet. Hauptsache nichts linkes.

Und Weidel kann ich überhaupt nicht verstehen. Mit ihrer akademischen Laufbahn und ihrem persönlichen Lebensstil hätte die in meinen Augen viel eher in die gemäßigtere, euroskeptische, wirtschaftliche AfD von Bernd Lucke gepasst. Aber da war der Wunsch nach Macht wahrscheinlich zu groß.
Aber dieses Gedankenexperiment ist doch absurd, weil es rein auf Vermutungen und Unterstellungen beruht. Wir leben heute in ganz anderen Zeiten, die Einwanderungsproblematik und die EU-Probleme hat es damals überhaupt nicht gegeben. Zudem hat Höcke seine ersten politischen Schritte in der Jungen Union gemacht, und nicht etwa in der NPD.

Wenn du dir aber mal viele grüne Spitzenpolitiker ansiehst, dann musst du noch nicht einmal eine Zeitmaschine bemühen, denn nicht wenige von denen betätigten sich tatsächlich in K-Gruppen und riefen Ho Ho Ho Chi Minh, zu einer Zeit, als die kommunistischen Massenmorde in Fernost gerade schon stattgefunden hatten; als Stalins Holodomor, der Völkermord an den Ukrainern, bereits knapp 40 Jahre zurücklag. Ich könnte jetzt auch sagen, ich stelle mir grad einen Robert Habeck vor, wie er mit feuchten Augen als Bolschewiki ins Winterpalais gestürmt wäre, um die Oktoberrevolution zu vollenden; einen Jürgen Trittin, der den "Großen Sprung nach vorn" im maoistischen China bejubelt hätte.

Zu Höckes Buch kann ich nichts sagen, weil ich es noch nicht gelesen habe, aber interessant, dass du es offenbar getan hast. Was ich aber weiß, viele seiner Reden wurden gezielt missverstanden, um ihn in ein schlechtes Licht zu rücken, etwa das "Denkmal der Schande", das im Kontext der Rede nicht anders zu verstehen ist, als dass dieses Mahnmal die Schande der deutschen Geschichte bezeugt und nicht etwa selbst die Schande darstellt. Ein Martin Walser und ein Rudolf Augstein haben diesen Begriff übrigens ebenso gebraucht.

Dass Höcke polarisiert, gebe ich gerne zu; dass seine Rhetorik mitunter etwas pathetisch wirkt, ebenso - er hat das ja auch selbst schon zugegeben, - aber diese linguistischen Spielereien reichen einfach nicht aus, um ihn als NS-Sympathisanten zu stigmatisieren, zumal er die NS-Verbrechen eindeutig als solche deklariert hat. Und zumal übrigens auch Politiker anderer Coleur dick auftragen, wenn sie vor eigenen Anhängern sprechen. Er hat im Thüringer Landtag zudem sachliche Oppositionsarbeit geleistet, hat auch Anträgen aller Fraktionen zugestimmt, wenn sie ihm sinnvoll erschienen. Andersherum ist das allerdings nicht der Fall, sondern die CSU im bayerischen Landtag etwa lehnt sinnvolle AfD-Anträge ab, um sie später selbst als Initiative einzubringen. Sieht so Glaubwürdigkeit aus? Die Medien framen das aus, sodass es nur wenige mitbekommen.

Zu Gauland und seiner "Duldung" extremer Charaktere der Ablehnung alles Linken: verspürst du heute einen Mangel an der Duldung linker Positionen? Mir ist nicht bekannt, dass die AfD ein Verbot linker Meinungen gefordert hätte. Umgekehrt hingegen wird eher ein Schuh draus. Und was die Duldung betrifft: Gerade bei der Linken ist es doch so, dass extreme Charaktere geduldet werden. Bei den Mai-Demos marschiert der bürgerliche Studienrat aus den Rotweingürteln dieser Republik Seit an Seit mit linken Krawallmachern, ohne dass er sich dafür rechtfertigen müsste. Eine Claudia Roth spaziert seelenruhig vor Plakaten, auf denen "Deutschland, du mieses Stück Sch…" steht. Der Reformflügel der Linkspartei hatte noch nie ein Problem mit der kommunistischen Plattform … alles kein Problem.

Wer sich heute, wie Weidel und Gauland, in der AfD engagiert, tut das wohl weniger um der Macht willen, denn gerade die hat man in der AfD ja eben nicht. Im Gegenteil, man setzt sich Stigmatisierung, Gewalt und sozialer Ausgrenzung aus. Trotzdem machen sie es und allein dafür haben sie meinen Respekt, weil sie in einer Zeit, in der D unter Merkels Führung stramm nach links marschiert, ihren Kopf hinhalten, auch wenn man nicht alles gut finden muss, was sie fordern. Man mag der AfD manches vorhalten, Opportunismus aber wohl zuallerletzt.

Die ökonomisch-liberale AfD ist übrigens mit Lucke nicht verschwunden, sondern bildet nach wie vor einen zentralen Machtfaktor in der AfD, wie auf dem letzten Parteitag sichtbar wurde. Nur gibt es in der AfD eben verschiedene Flügel, so wie in jeder anderen Partei auch. Im Grunde integriert die AfD nach rechts, so wie es früher die Union tat. Erst seit unter Merkel dieser Kurs verlassen wurde, entstand das Vakuum, in das die AfD eingedrungen ist. Insofern wird es Zeit, dass dieser Fakt endlich anerkannt wird, weil nämlich sonst Mehrheiten jenseits von Merkel und der Linken/SED nicht mehr möglich werden. Und wohin das führen kann, wissen wir aus der Geschichte. Und sehen es ja auch bereits in der Gegenwart. Merkel ist selbst die FDP schon zu rechts geworden, wie man daran erkennen kann, dass sie einen Kommunisten einem Liberalen vorzieht.
 

·
Registered
Joined
·
19,436 Posts
Das ist alles so grotesk dass einem die Worte fehlen..jetzt sollen die, die für Kemmerich gestimmt haben und GEGEN Ramelow also dann auf einmal alle für Ramelow stimmen weil es von oben angeordnet ist..dieser Ramelow ist derart schamlos dass einem wirklich nichts mehr einfällt! Und das soll " demokratisch" sein..na dann
Ramelow kann das nur durchziehen, weil Merkel es genau so will und entsprechend anordnet. Man schaue sich nur mal ihre Rolle in der DDR und der unmittelbaren Wendezeit an, das erklärt so einiges.
 

·
Registered
Joined
·
19,436 Posts
Die SPD Spitze (Bojans und wie immer die heißen) fordern sofortigen Rücktritt von Kemmerich um Groko nicht platzen zu lassen.
Wird immer lächerlicher.

Die erpressen die CDU jetzt schon mit FDP Politikern.
Sie gehen offenbar automatisch davon aus, dass die Blockparteien unter der Führung Merkels stehen. Damit haben sie nicht mal Unrecht. Sie haben die Maske fallen lassen und ihr fehlendes Demokratieverständnis komplett offengelegt. Nun gut, Bojansdingens haben halt auch nix mehr zu verlieren.

Realistisch betrachtet gibt es zumindest in der Ost-CDU etliche, die sich der Merkel-Doktrin widersetzen wollen. In Thüringen haben sie es versucht, sind aber zurückgepfiffen worden bzw. mussten dem politischen, dem medialen und vor allem auch dem physischen Druck nachgeben. Ich vermute, Kemmerich hätte es durchgezogen, wenn nicht seine 6 Kinder bedroht worden wären.

Wenn übrigens die AfD bei der nächsten MP-Wahl Ramelow mitwählen würde, würde da irgendjemand seinen Rücktritt fordern?
 

·
Registered
Joined
·
83,661 Posts
Sie gehen offenbar automatisch davon aus, dass die Blockparteien unter der Führung Merkels stehen. Damit haben sie nicht mal Unrecht. Sie haben die Maske fallen lassen und ihr fehlendes Demokratieverständnis komplett offengelegt. Nun gut, Bojansdingens haben halt auch nix mehr zu verlieren.

Realistisch betrachtet gibt es zumindest in der Ost-CDU etliche, die sich der Merkel-Doktrin widersetzen wollen. In Thüringen haben sie es versucht, sind aber zurückgepfiffen worden bzw. mussten dem politischen, dem medialen und vor allem auch dem physischen Druck nachgeben. Ich vermute, Kemmerich hätte es durchgezogen, wenn nicht seine 6 Kinder worden wären.

Wenn übrigens die AfD bei der nächsten MP-Wahl Ramelow mitwählen würde, würde da irgendjemand seinen Rücktritt fordern?
Das testet Gauland gerade aus und sagt, er möchte dass alle AfD Abgeordneten Ramelow wählen denn nur so lässt sich Ramelow verhindern
 

·
Registered
Joined
·
6,471 Posts
Deutschland, du machst mir Angst. Was ist bloß aus dir geworden? :cry:
Schau mal ein bisschen genauer in den Spiegel, dann geht dir vielleicht ein Licht auf.

Deutschland besteht heute im Wesentlichen aus unindividuellen Egoisten unterteilt in gedankliche Mitläufer aller Arten bzw. vollständig Desinteressierte. Daran wird sich auch in geraumer Zeit nichts ändern.
 

·
Registered
Joined
·
83,661 Posts

·
Registered
Joined
·
83,661 Posts
Mit der CDU und den Werten und Überzeugungen der CDU hat das nun gar nichts mehr zu tun!
NACHDEM THÜRINGER CDU NICHT MAL MIT IHM REDEN DURFTE
Merkel will plötzlich doch Ramelow als Ministerpräsidenten

... und warum das fast an einem Telefonat scheiterte
Kanzlerin Angela Merkel am Samstag beim Koalitionsausschuss im Kanzleramt


Die Kanzlerin hat ein Machtwort im Thüringen-Chaos gesprochen. Ihre Ansage wäre allerdings fast daran gescheitert, dass sie eine gewisse Telefonnummer nicht hatte ...
Große GroKo-Krisensitzung im Kanzleramt: Am Samstag sitzt Angela Merkel (CDU) mit den Spitzen von Union und SPD im Kanzleramt zusammen. Bei Linsensuppe mit Brot diskutiert sie unter anderem mit den SPD-Chefs Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, CSU-Chef Markus Söder und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer.
Thema: Das Wahl-Debakel in Thüringen. Am Mittwoch war Thomas Kemmerich (FDP) dort völlig überraschend zum Ministerpräsidenten gewählt worden – mit den Stimmen von CDU und AfD. Das löste heftige Kritik im Land aus. Die SPD verlangte deshalb die Aussprache.
Das Ergebnis der Runde kam dann am frühen Nachmittag: Die Wahl Kemmerichs sei ein unverzeihlicher Vorgang. „Die Koalitionspartner erwarten, dass der gewählte Ministerpräsident Thomas Kemmerich heute daraus die einzig richtige Konsequenz zieht und von seinem Amt zurücktritt“, heißt es im Beschlusspapier (liegt BILD vor) des Koalitionsausschusses.



Um 15.11 Uhr meldete die Thüringer FDP-Landtagsfraktion dann, dass ihr Ministerpräsident „mit sofortiger Wirkung“ zurücktrete. Allerdings sieht die Thüringer Verfassung vor, dass Kemmerich geschäftsführend im Amt bleibt, bis ein Nachfolger gewählt ist.
Um dieses Problem zu lösen, sprach sich die Große Koalition gleich noch für Neuwahlen aus: „Jetzt geht es darum, schnell für stabile und klare Verhältnisse in Thüringen zu sorgen. Deshalb erwarten die Koalitionspartner als nächsten Schritt, dass umgehend ein neuer Ministerpräsident im Landtag gewählt wird.“

Merkel telefoniert mit Ramelow

Um sicherzustellen, dass das schnell passiert, wollte Merkel nach Informationen von BILD am SONNTAG mit dem abgewählten Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (63, Linke) telefonieren.
Dummerweise hatte sie seine Handynummer nicht.
CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt (49) konnte helfen, rief ihn mit seinem Handy an. Besetzt. Kurze Zeit später rief Ramelow zurück, Dobrindt reichte das Mobiltelefon an die Kanzlerin weiter.
Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) soll bei einer zweiten Kandidatur von der CDU durchgewunken werden



Die Kanzlerin wollte klären, ob der Ältestenrat des Thüringer Parlaments aus dem Urlaub geholt werden kann, um eine schnelle Neuwahl des Ministerpräsidenten vorzubereiten. Wenn Ramelow sich dann erneut zur Wahl stellt, soll ihn die CDU per Enthaltung durchwinken.


Eine 180-Grad-Wendung!

DENN: Die CDU-Spitze in Berlin hatte den Parteimitgliedern in Thüringen, allen voran dem dortigen Partei-Chef Mike Mohring, die Kooperation, sogar die Gespräche mit den Linken strikt verboten.

Allerdings soll sich Ramelow und seine rot-rot-grüne Minderheitsregierung bald auch Neuwahlen stellen. Die Große Koalition beschloss: „Aus Gründen der Legitimation der Politik sind die Koalitionspartner davon überzeugt, dass unabhängig von der Wahl eines neuen Ministerpräsidenten baldige Neuwahlen in Thüringen erforderlich sind.“


So geht es in Thüringen weiter


Zunächst ändert sich durch den formalen Rücktritt Kemmerichs nicht viel. In der Landesverfassung Thüringens (Artikel 75, Absatz 3) heißt es dazu: „Der Ministerpräsident und auf sein Ersuchen die Minister sind verpflichtet, die Geschäfte bis zum Amtsantritt ihrer Nachfolger fortzuführen.“

▶︎ Die Verfassung regelt zudem, dass durch die Rücktrittsankündigung in der ersten Landtagssitzung ein neuer Ministerpräsident gewählt werden muss. Aber: Der Landtag kommt regulär erst wieder am 4. März zusammen.

Doch auch hier könnte die Verfassung helfen. Demnach muss Landtagspräsidentin Birgit Keller (Linke) nach Artikel 57 eine Sitzung einberufen, wenn 20 Prozent der Mitglieder, eine Fraktion oder gar die Landesregierung es verlangt – und Letzteres ist nun sehr wahrscheinlich.
 

·
Registered
Joined
·
83,661 Posts

·
Registered
Joined
·
16,993 Posts
Aber dieses Gedankenexperiment ist doch absurd, weil es rein auf Vermutungen und Unterstellungen beruht. Wir leben heute in ganz anderen Zeiten, die Einwanderungsproblematik und die EU-Probleme hat es damals überhaupt nicht gegeben. Zudem hat Höcke seine ersten politischen Schritte in der Jungen Union gemacht, und nicht etwa in der NPD.
Einerseits gebe ich dir hier natürlich Recht, andererseits dachte ich beim Lesen von Poldos Beitrag ehrlich gesagt schon, dass das ein interessantes Gedankenexperiment ist. Letztlich kann man im Jahr 2020 unmöglich beurteilen, wer tatsächlich mit leuchtenden Augen den Nazis gefolgt wäre. Das ist auch ein Punkt, bei dem ich nie verstehen kann, wie man in Bezug auf die NS-Zeit pauschal alle Deutschen, die damals gelebt haben, als Nazis zu diffamieren, nur weil sie in den Augen mancher nicht oder nicht genug Widerstand geleistet hätten. Das ist meiner Meinung nach die pure Anmaßung und ein verzweifelter Versuch, den Schuldkomplex der Deutschen irgendwie aufrecht zu erhalten (das richtet sich ausdrücklich nicht gegen @Poldo, sondern ist eine allgemeine Feststellung).

Zu Höckes Buch kann ich nichts sagen, weil ich es noch nicht gelesen habe, aber interessant, dass du es offenbar getan hast. Was ich aber weiß, viele seiner Reden wurden gezielt missverstanden, um ihn in ein schlechtes Licht zu rücken, etwa das "Denkmal der Schande", das im Kontext der Rede nicht anders zu verstehen ist, als dass dieses Mahnmal die Schande der deutschen Geschichte bezeugt und nicht etwa selbst die Schande darstellt. Ein Martin Walser und ein Rudolf Augstein haben diesen Begriff übrigens ebenso gebraucht.
Ja, die Anmerkung, dass Rudolf Augstein diesen Begriff genau so verwendet hat, hat die Mainstream-Medien überhaupt nicht interessiert. Die haben sich nicht einmal ein Mindestmaß an Mühe gegeben, Höcke überhaupt richtig verstehen zu wollen. Es ist doch klar, dass nicht das Mahnmal an sich, sondern das, woran dieses Mahnmal erinnern soll, eine Schande ist. Was stimmt daran nicht? Ist der Holocaust etwa keine Schande? Es ist regelrecht absurd, Höcke an der Stelle irgendwas unterstellen zu wollen. Aber gut, dem Mainstream ist offensichtlich jedes Mittel recht, auch wenn es noch so hanebüchen ist.

Dass Höcke polarisiert, gebe ich gerne zu; dass seine Rhetorik mitunter etwas pathetisch wirkt, ebenso - er hat das ja auch selbst schon zugegeben, - aber diese linguistischen Spielereien reichen einfach nicht aus, um ihn als NS-Sympathisanten zu stigmatisieren, zumal er die NS-Verbrechen eindeutig als solche deklariert hat. Und zumal übrigens auch Politiker anderer Coleur dick auftragen, wenn sie vor eigenen Anhängern sprechen.
Sehe ich auch so. Höckes Rhetorik ist, sagen wir mal, schon sehr speziell, sehr pathetisch, sehr bildreich, sehr altertümelnd, im Grunde auch deutschtümelnd (aber im positiven Sinn). Das ist alles völlig richtig. Im Prinzip ähnelt seine Rhetorik die von Götz Kubitschek sehr, kein Wunder, denn Höcke ist oft in Schnellroda bei Kubitschek zu Gast, hat zahlreiche Seminare dort besucht, hält dort Reden und liest seine Bücher. Das muss einem selbstverständlich alles nicht gefallen und Höcke ist auch alles andere als mein "Lieblings"-AfD-Politiker, wenn man so will, aber in die Nähe von Nazis rücke ich ihn deswegen noch lange nicht.

Er hat im Thüringer Landtag zudem sachliche Oppositionsarbeit geleistet, hat auch Anträgen aller Fraktionen zugestimmt, wenn sie ihm sinnvoll erschienen. Andersherum ist das allerdings nicht der Fall, sondern die CSU im bayerischen Landtag etwa lehnt sinnvolle AfD-Anträge ab, um sie später selbst als Initiative einzubringen. Sieht so Glaubwürdigkeit aus? Die Medien framen das aus, sodass es nur wenige mitbekommen.
Tatsächlich macht die AfD, nicht nur in Thüringen, sondern überall in den Parlamenten, genau das Gegenteil von dem, was man ihr am Anfang immer vorgeworfen hat. Man hat der AfD vorgeworfen, sie würde den parlamentarischen Betrieb lahmlegen, sie würde nicht ordentlich mitarbeiten, sie würde alles blockieren, ihre Vertreter würden sich dabeben benehmen und sich nicht an die Gepflogenheiten halten etc. All das ist nicht eingetreten, stattdessen ist genau das Gegenteil davon eingetreten. Die AfD leistet grundsolide parlamentarische Sacharbeit. Natürlich wird ausnahmslos jeder AfD-Antrag, egal, in welchem Parlament, abgelehnt, das ist aber etwas, das die anderen Parteien zu verantworten haben. Sie sind diejenigen, die mit ihrem kindischen und peinlichen Verhalten den parlamentarischen Betrieb zumindest teilweise behindern, weil potenziell gute und sinnvolle Anträge nicht angenommen werden, nur weil sie von der vermeintlich falschen Partei kommen.

Ich bringe an der Stelle immer gerne mein Lieblingsbeispiel: Wenn es draußen regnet und die AfD sagt, dass es regnet, sagen dann alle anderen aus Prinzip, dass die Sonne scheint, nur um der AfD nicht zustimmen zu müssen?

Die AfD betont ständig, dass es ihr um Sacharbeit und um Inhalte geht und dass sinnvolle Anträge oder Gesetzesentwürfe der anderen Parteien selbstverständlich mitgetragen werden. Das interessiert nur niemanden, weil das nicht in das Bild passt, das man krampfhaft versucht, aufrecht zu erhalten.

Gerade bei der Linken ist es doch so, dass extreme Charaktere geduldet werden. Bei den Mai-Demos marschiert der bürgerliche Studienrat aus den Rotweingürteln dieser Republik Seit an Seit mit linken Krawallmachern, ohne dass er sich dafür rechtfertigen müsste. Eine Claudia Roth spaziert seelenruhig vor Plakaten, auf denen "Deutschland, du mieses Stück Sch…" steht. Der Reformflügel der Linkspartei hatte noch nie ein Problem mit der kommunistischen Plattform … alles kein Problem.
Das mit Claudia Roth und der "Deutschland, du mieses Stück Sch..."-Demo ist hier in diesem Thread fast schon soetwas wie ein Running Gag - leider! Es ist doch ein Unding, dass so jemand nicht nur nicht mit negativen Konsequenzen rechnen muss, sondern quasi als "Belohnung" sogar noch das Amt einer Bundestagsvizepräsidentin bekleiden darf, ausgerechnet des Bundestages, an dessen Eingang "Dem deutschen Volke" steht. Wie will sie dem deutschen Volke dienen, Schaden vom ihm abwenden und seinen Nutzen mehren (also das, was sie in ihrem Amtseid geschworen hat), wenn sie es offenbar ganz supi findet, dass Deutschland als mieses Stück Sch... bezeichnet wird.

Die Google-Bildersuche verrät einem übrigens auch, dass Claudia Roth im Jahr 1990 bei der Wiedervereinigung gemeinsam mit der linksextremen Terroristin Jutta Ditfurth ein Plakat hochgehalten hat, auf dem "Nie wieder Deutschland - Gegen die Annexion der DDR" stand. Nur so viel: Man muss schon ganz besonders dumm und geschichtsvergessen sein, wenn man die deutsche Wiedervereinigung allen Ernstes als Annexion der DDR umdeutet. Sowas nennt man übrigens auch Geschichtsrevisionismus, etwas, das in anderen Kontexten sogar strafrechtlich relevant ist (Stichwort: Holocaustleugnung). Auch bei solchen Dingen wird also offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen.

Wer sich heute, wie Weidel und Gauland, in der AfD engagiert, tut das wohl weniger um der Macht willen, denn gerade die hat man in der AfD ja eben nicht. Im Gegenteil, man setzt sich Stigmatisierung, Gewalt und sozialer Ausgrenzung aus. Trotzdem machen sie es und allein dafür haben sie meinen Respekt, weil sie in einer Zeit, in der D unter Merkels Führung stramm nach links marschiert, ihren Kopf hinhalten, auch wenn man nicht alles gut finden muss, was sie fordern. Man mag der AfD manches vorhalten, Opportunismus aber wohl zuallerletzt.
So ist es. Man darf nicht vergessen, dass die AfD diejenige Partei ist, die mit Abstand am häufigsten Ziel politisch motivierter Straftaten wird. Das müssen nicht immer körperliche Angriffe sein (sind es aber oft genug!), es werden oft genug auch Autos angezündet oder Steine in Scheiben von Abgeordnetenbüros geworfen, wo durchaus auch Menschen zu Schaden kommen können. Und die Leute, die solche Straftaten begehen, werden durch Personen bestärkt wie z.B. Martina Renner, die im Bundestag einen Antifa-Button am Revers trug und klipp und klar "Danke, Antifa!" sagte. Es ist doch klar: Wenn eine Bundestagsabgeordnete soetwas sagt, dass die sich dann bestätigt und ermutigt fühlen, bei den nächsten Gelegenheiten noch ein bisschen härter und brutaler zu Werke zu gehen, und alles in dem wahnwitzigen Glauben, es würde die "Richtigen" treffen. Gewalt trifft nie die Richtigen, weil es keine Richtigen gibt. Gewalt ist immer ausnahmslos abzulehnen und zu verurteilen. Für die Antifa scheint das jedoch nicht zu gelten.

Und bevor man mir vorwirft, auf dem rechten Auge blind zu sein: Vor Kurzem wurde Combat 18, eine rechtsextreme Terrorgruppe, verboten. Da sage ich: Gut so! Das sind Schwerstkriminelle, die nichts verstanden haben. Wer im Jahr 2020 Adolf Hitler noch verehrt und ihn sich am liebsten zurückwünscht, hat nichts, aber auch gar nichts verstanden.
 

·
Genie Bouchard of TF
Joined
·
107,600 Posts
Wäre ja echt geil wenn die AfD jetzt den Ramelow wählen würde.
Aber ist die Linke echt so dumm und riskiert das jetzt?
Angeblich wird die CDU ihn nicht unterstützen.
Aber wahrscheinlich gibt es doch ein oder zwei CDU-Abweichler, die Angst haben bei Neuwahlen keinen Platz mehr im Landtag zu bekommen.
 

·
Registered
Joined
·
16,993 Posts
Das testet Gauland gerade aus und sagt, er möchte dass alle AfD Abgeordneten Ramelow wählen denn nur so lässt sich Ramelow verhindern
Wäre ja echt geil wenn die AfD jetzt den Ramelow wählen würde.
Aber ist die Linke echt so dumm und riskiert das jetzt?
Angeblich wird die CDU ihn nicht unterstützen.
Aber wahrscheinlich gibt es doch ein oder zwei CDU-Abweichler, die Angst haben bei Neuwahlen keinen Platz mehr im Landtag zu bekommen.
Ich gebe zu, dass das auch mein erster Gedanke war: Die AfD soll jetzt einfach beim nächsten Mal Ramelow wählen und dann würde man sehen, was passiert. Nach der Logik der Linken dürfte Ramelow die Wahl dann nicht annehmen, weil er ja schließlich von vermeintlichen "Faschisten" gewählt worden wäre. Gauland will den anderen Parteien also einfach nur den Spiegel vorhalten und testen, wie Ramelow reagieren würde, wenn er von der AfD gewählt werden würde. Dann könnte man gut erkennen, ob Ramelow die Wahl annehmen würde. Wenn ja, dann hätten er und die Linke ihre Glaubwürdigkeit verloren und es wäre klar, dass ihre eigenen Maßstäbe nur für die anderen gelten und sie sich alles erlauben könnten.

Es wäre also auf den ersten Blick eine gute Methode, um den anderen Parteien ihr undemokratisches Verhalten vor Augen zu führen. Aber nur auf den ersten Blick. Charles Krüger hat in seinem Youtube-Video dargelegt (wie ich finde zu Recht), dass das schief gehen würde. Gaulands Vorschlag impliziert nämlich, dass die Linken Moral, Anstand und Gewissen haben. Haben sie aber nicht, sondern sie würden einfach die Chance nutzen, eine Mehrheit zu bekommen, völlig egal, wie diese Mehrheit zustande gekommen wäre, weil es ihnen nur um Machterhalt geht. Moral spielt für diese dekadenten Politikerdarsteller keine Rolle und ihre eigenen Maßstäbe gelten nur für andere.


Die Stelle, die ich meine, beginnt bei 6:46 Min.

Meiner Meinung nach würde die AfD außerdem wahre Stärke beweisen, wenn sie das Spiel der anderen eben nicht mitspielen und ihrer Linie treu bleiben würde, keinen linken Politiker zu wählen. Die AfD könnte dann auch sagen "Seht her, ihr seid die Einzigen, die so handeln. Wir machen bei euren undemokratischen Mauscheleien nicht mit." Das wäre ein Zeichen von Größe und Standhaftigkeit, auch auf die Gefahr hin, dass Thüringen dann von rot-rot-grün zugrunde gerichtet wird. Aber die AfD hätte ihr Gesicht gewahrt und würde mittel- und langfristig auch in der Wählergunst davon profitieren. Mittlerweile bin ich dagegen, dass die AfD Ramelow wählt.
 

·
Registered
Joined
·
83,661 Posts

·
Registered
Joined
·
83,661 Posts
Sehr gut da AKK weg ist.
Aber wahrscheinlich wählen sie jetzt den Laschet zum Kanzlerkandidat.
Das wäre die grösste Lachnummer..allerdings will ich den Merz nun wirklich nicht
 

·
Registered
Joined
·
83,661 Posts
Anne Will Kritiken

Allein Kevin Kühnert bleibt scharf, teilt in alle Richtungen aus und macht es Weidel eben nicht leicht, Weidel zu sein. Altmaier nehme er seine Betroffenheit und seine klare Haltung ab, aber: "Ich mache mir Sorgen, wo das hinrutscht bei Ihnen in der CDU", dort "bröckelt es von unten bei Ihnen weg".

Kühnert ist auch der einzige Politiker in der Runde, der Alice Weidel direkt angeht. Was ist mit der eigentlich? Es kommt kein einziges Argument, die ganze Frau ist ein einziges Bündel aus Hohn und Verachtung. Die Debatte findet sie "hm, hm, hm, unglaublich". Ebenfalls "unglaublich, unglaublich" sei Melanie Amann von der "Relotiuspresse", deren Fragen nach Björn Höcke sie nicht hören möchte: "Frau Amann, seien Sie doch einfach mal still."

Nachdem Wagenknecht den Faschisten Höcke einen Nazi nennt und das sogar geduldig erklärt, findet es Weidel "unglaublich, unglaublich, unglaublich, in so 'ner Sendung die Leute Nazi nennen zu dürfen". Umgekehrt habe ein Gericht "geurteilt, dass man mich Nazischlampe nennen darf, was sagen Sie denn dazu?" Mit sichtlichem Genuss kommentiert Weidel die Hitzigkeit der Debatte: "Warum schreien sie alle? Warum schreien sie? Sie schreien alle! Ist ja unglaublich."

Im Grunde hat Weidel nicht mehr zu tun, als von der Seite in die Runde zu blaffen, Dinge "unglaublich" zu finden und ein wenig zu schnauben. Das tut sie auch und hat schon gewonnen. Weil es dann plötzlich ganz still, die Aufmerksamkeit sofort auf ihrer Seite ist - und sie die ohnehin traurige Debatte weiter ins Lächerliche ziehen kann. Dahin, wohin sie sie haben will.

Überhaupt müsste Weidel nicht einmal ein Wort sagen. Sie braucht sich nicht einmal die Mühe zu machen, ihre Genugtuung zu verbergen. Stattdessen führt sie ein Grinsen Gassi, das sie beinahe die komplette Sendung über nicht ablegt und nur geringfügig variiert. Mal gerät es ihr ungläubig, mal empört, meistens aber zufrieden und überlegen.

Vielleicht grinst sie über die Einfalt der Redaktion, sie überhaupt einzuladen. Vielleicht auch deshalb, weil vor ihren Augen ein demokratischer Diskurs, dessen Zerstörung das eigentliche Ziel ihrer Partei ist, sich gerade mit eigenen Mitteln selbst zerlegt.

Melanie Amann sagt am Ende, sie sei "pessimistisch", es gäbe "null Annäherung".

Weidel grinst.


Fallstricke im Umgang mit der AfD
Weidel bleibt zunächst ruhig, wartet wie immer steinern lächelnd auf einen möglichen Eskalations-Einsatz, und wirft bis dahin in gefühlt jedem zweiten Satz der anderen Gäste das Wort "unglaublich" ein, begleitet von einem Lachen oder einem herzhaften Schnäuzen. Nach dem etwa vierten "unglaublich" kommt dann ein etwas erwartbarer Opfer-Monolog, demzufolge es in Thüringen demokratietechnisch längst wie in der DDR zuginge - begleitet von einem erstaunlichen Loblied auf Kemmerich, der von einem "linken Mob" und Merkel aus dem Amt gejagt worden sei, dabei sei er doch "ein sehr guter Kandidat" gewesen.

Amann konfrontiert Weidel mit der Tatsache, dass sie selbst Björn Höcke einst aus der Partei ausschließen wollte - wegen seines nationalsozialistischen Gedankenguts. Nach einer Vermittlung durch den nicht minder rechtsextremen Verleger Götz Kubitscheck hatte Weidel ihr Bestreben 2019 aufgeben. Weidel behauptet nun, dass sich die damaligen Vorwürfe an Höcke als falsch erwiesen hätten und fügt dann natürlich noch ein "unglaublich" an. Nicht immer ganz so routiniert im Umgang mit Weidel ist Anne Will, die in Fragen an sie erstaunlich oft ihre Rhetorik übernimmt, etwa im Falle der "Altparteien", wenn auch mit einem nachgeschobenen "wie Sie sie nennen".



Weidel beschränkte sich immerhin den Großteil der Stunde darauf, süffisant zu grinsen, „unglaublich“ zu murmeln und darauf hinzuweisen, dass durch mögliche Neuwahlen in Thüringen 25 Prozent der dortigen (AfD-)Wählerstimmen ignoriert werden würden. Der Fairness halber muss gesagt werden, dass sie nicht viel mehr tun musste, um die schwelende Talk-Glut zu einem ausgewachsenen Feuer zu entfachen.

Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie, sprach am Anfang noch energisch, aber gefasst von einer „Blamage für CDU und CSU“ und einem „Vertrauensverlust“, den es wieder gut zu machen gelte.

Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jusos, brachte ihn aber in deutliche Erklärungsnot, als er anmerkte, der „CDU bröckle die Distanz zu rechts weg“. Die Union müsse von ihren Landesverbänden das Versprechen einfordern, nie in irgendeiner Weise mit der AfD zu kooperieren. Eine Haltung, die die Union bisher eher der Linkspartei gegenüber gezeigt hatte, was wiederum Sahra Wagenknecht aufregte: „Wenn die CDU so weiter macht, werden Sie bald noch mehr Thüringen haben“, warnte sie Altmaier.

Altmaier, Merkels engster Vertrauter, versuchte sich über verbindliche CDU-Parteitagsbeschlüsse aus der Affäre zu ziehen, zu denen Anne Will trocken bemerkte: „Sie beschwören Beschlüsse, an die sich niemand hält.“
„Es schreien immer alle“, konstatierte die dauerlächelnde Weidel, bis Anne Will ziemlich deutlich konterte: „Dafür lachen sie immer.“ Nach Lachen war den anderen Gästen eher weniger zumute.
 

·
Registered
Joined
·
83,661 Posts
Die Partei des schamlosen Zeitgeist-Surfens


Eigentlich wäre es für die Union Zeit, sich in der Opposition zu erneuern. Die Merkel-Jahre haben die Partei nicht nur an deren Rändern bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die CDU hat sich weniger überregiert als im steten Verantwortungsrausch selbst verloren.

Der Kompass der Partei liegt in Trümmern, grundsätzliche Fragen sind ungeklärt, die Führung lahmt, und mit dem Flügelquark (Werte-Union, Union der Mitte) beginnt das Sektierertum der Linken Einzug zu halten in eine Volkspartei, deren Verdienste für das Land unermesslich sind: Wohlstand, Stabilität und Modernität des Landes verdankt die Bundesrepublik vor allem der CDU. Damit ist es spätestens seit 2015 Schluss.


Angela Merkel hat alle innerparteilichen Widersacher erledigt. In der vergangenen Woche nun hat sie eisig und brutal die stets unterschätzte AKK abserviert: mit Machtwörtern, die so nur sie, aber nicht ihre Nachfolgerin sprechen konnte. Merkel agiert staatsmännisch, aber sie hegt für ihre Partei keinerlei Sympathien mehr. Sie hat sie kalt fallen lassen. Richtig lächeln sieht man sie, wenn sie mit Annalena Baerbock deren opportunistische (aber erfolgreiche) Organspendenregelung im Bundestag besprechen sieht.
Überhaupt die Grünen: Deren Kanzlerschaft wird immer wahrscheinlicher, weil sich die bürgerlichen Kräfte im Selbstzerstörungsmodus befinden und die SPD von einer dilettantischen Führung in Richtung Linkspartei geführt wird. Bis Kevin Kühnert verstanden hat, dass er auf Twitter keine Wahlen gewinnt, sitzt Robert Habeck schon im Kanzleramt.
Grün-Rot-Rot würde das Land an die Wand fahren
Die Grünen mimen Regierungsfähigkeit, ob sie es wirklich könnten, muss bezweifelt werden. In Baden-Württemberg ist Winfried Kretschmann als Landesvater beliebt, aber seine Gestaltungsneigung ist begrenzt. Hinter der ansehnlichen grünen Fassade lauern mehr Widersprüche und Unklarheiten als im Spannungsfeld zwischen Werte-Union und Union der Mitte. Nur: Ihre Oberfläche hält.


Eine grün-rot-rote Regierung würde dieses Land schnell an die Wand fahren. Für die Verantwortungs- und Leistungseliten wären Steuererhöhungen, Enteignungen, Regulierung und Öko-Umerziehung der Preis, den sie dafür bezahlen müssten, dass es die Bürgerlichen gerade nicht hinbekommen. Dann hätten Union und FDP vier Jahre Zeit, um während der Abwrackregierung im Linksdrift sich wieder zu besinnen.
Aber eigentlich kann sich das Land den Luxus nicht leisten, vier Jahre mehr Stillstand oder in Gestalt von GRR Rückschritt zu ertragen. Deswegen braucht es jetzt einen Befreiungsschlag. Einen mutigen Neuanfang, der die alte Idee der Union als harmonisch vielstimmige Sammlungsbewegung von christlich-sozialen Arbeitnehmern bis hin zu radikalen Freunden der Marktwirtschaft sammelt.
Natürliche Nachfolger stehen bereit
In Friedrich Merz und Armin Laschet stehen zwei ziemlich natürliche Nachfolger bereit, aber vielleicht ist das auch der Moment von Jens Spahn, der in den vergangenen Monaten viel an politischer Statur gewonnen hat und eher ein disruptives Momentum des Aufbruchs anbieten würde.








Die Union hat nur noch eine Chance. Die CDU hat Deutschland aus der Mitte regiert. Deswegen war es auch richtig und wichtig, dass die Union weder mit den linken noch den rechten Rändern koalieren oder zusammenarbeiten wollte und durfte. Der Antifaschismus ist genauso selbstverständlich wie der heitere Antikommunismus, der von vielen Medien gerade hanebüchen desavouiert wird.


Die Partei Ludwig Erhards kann nicht einmal punktuell mit einer Partei zusammenarbeiten, die eine Kommunistische Plattform hat. Dass darüber ernsthaft diskutiert wird, ist absurd. Dass diese Banalität durch eine bundespolitische Lappalie wie eine Thüringenwahl zum Stolperstein werden konnte, hat mit dem Fehlen des Kompasses zu tun und schweren handwerklichen Fehlern, nicht nur von Mike Mohring, sondern auch der kakofonischen Bundespartei.
Ob Soli-Abschaffung oder Rente mit 63, ob Energiewende oder nun Kohleausstieg. Die Union ist nicht mehr ein Fels des gesunden Menschenverstandes in einer populistischen Brandung, sondern zur Partei schamlosen Zeitgeistsurfens verkümmert. Will sie das Land führen, muss sie diesen Eindruck schnell ändern.
Annegret Kramp-Karrenbauer hat dieses Ende nicht verdient. Sie will sicher kein Mitleid, aber sie stand und steht für Anstand und Integrität und einen soliden Wertekanon, der nie opportunistisch war. Sie repräsentierte eine aufgeklärte Provinzialität, mit der die Union in Gestalt von Staatsmännern wie Konrad Adenauer und Helmut Kohl stets gut gefahren ist.
Von der Hauptstadtblase belächelt
Ihr Dialekt, ihr Look aus Püttlingen wird von der opportunistischen Hauptstadtblase belächelt, ihr Auftritt als Putzfrau Gretel wurde geradezu verteufelt, weil er weniger politisch korrekt war als ein „Tagesthemen“-Kommentar. Es war ihr angenehm egal. Sie hatte einen unbeugsamen Mut. Jetzt muss sie aufgeben. Ihr Poker ist nicht geglückt. Und mit ihrem Abgang wackelt die ganze Partei, deren Umfragen miserabel sind.

Der aktuell stärkste Politiker des bürgerlichen Lagers ist Markus Söder. Der hält sich bedeckt und wartet ab: Nicht zuletzt in den Tagen des Irrsinns von Erfurt hat er gezeigt, wie ein mündiger Liberalkonservativer Klarheiten schafft und artikuliert. Er ist ein auch in jeder Hinsicht besserer und ökologischer Ministerpräsident als Winfried Kretschmann, aber in der Republik der Oberflächen ist der fränkische Grobmotoriker weithin unterschätzt. Noch.



Die CDU muss sich schnell besinnen. Die Nachfolge klären und entscheiden, wer als Kanzlerkandidat antritt. Die Salamistrategie ist gescheitert. Und: Parteivorsitz und Kanzleramt dürfen nicht länger getrennt sein.
 

·
Genie Bouchard of TF
Joined
·
107,600 Posts
Fand Anne Will war gestern ein gutes Spiegelbild der momentanen Situation.
Da wird von links immer nur an Moral appelliert und die CDU kann es sich nicht erlauben die Linkspartei zu unterstützen, sonst schmieren sie noch mehr ab. Der Osten scheint also echt an die AfD und die Linken verloren zu sein!

Wagenknecht gefiel mir fast noch am besten.
 
3681 - 3700 of 3840 Posts
Top