TennisForum.com - View Single Post - Tamira Paszek Articles and Interviews Thread

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Old Dec 18th, 2013, 09:06 PM   #82
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Re: Tamira Paszek Articles and Interviews Thread

http://www.tennisnet.com/oesterreich...Tamira/5355622

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Dienstag, 17. Dezember 2013

Quo vadis, Tamira?

Es war einmal ein österreichisches „Wunderkind“. 2005 gewann es mit 14 Jahren die Spring Bowl in St. Pölten, stand bei den Grand-Slam-Juniorenbewerben in Wimbledon und im Jahr darauf bei den US Open im Finale. Und am 24. September 2006 wurde es in Portoroz mit 15 Jahren, neun Monaten und 18 Tagen zur siebtjüngsten Gewinnerin eines WTA-Turniers aller Zeiten. Mehr als sieben Jahre später ist aus dem Kind natürlich längst eine Frau geworden – und die Nummer vier im WTA-Ranking. Doch leider nicht etwa der Welt, sondern lediglich von Österreich und die Nummer 178 der Welt.

Die Rede ist von Tamira Paszek. Schon im Juni dieses Jahres hat tennisnet.com-Herausgeber Alexander Antonitsch mit „Der Standard“-Redakteur Philip Bauer „Das hartnäckige Tief der Tamira Paszek“ ausführlich analysiert, nachzulesen hier. Und viele der Gründe sind mehr als plausibel. Ja, „man kann sich Selbstvertrauen und Fitness aber nicht kaufen“, wie Antonitsch treffend formuliert. Ja, Tamira „muss ihre gesundheitlichen Probleme unbedingt bewältigen“ – und von denen hatte sie zugegebenermaßen einige. Und ja, „spielt man ihre Vorhand hoch mit Spin an, bekommt sie Probleme.“ Letzteres ist alleine schon technisch bedingt.

Natürlich macht es null Sinn, wegen eines Tiefs die gesamte, über die Jahre erlernte Technik über Bord zu werfen. Wohl aber ist es das Um und Auf, Schwächen so gut wie eben möglich auszumerzen. Ich habe Tamira zum ersten Mal live vor Ort 2005 gesehen, beim zuvor schon erwähnten Spring-Bowl-Sieg. Bereits damals war klar ersichtlich, dass ihr Aufschlag mit den wuchtigen Grundschlägen, vor allem mit ihrer schnellen, flachen Rückhand, nicht mithalten kann. Über achteinhalb Jahre später muss man feststellen, dass sich nichts daran geändert hat – wenn doch, dann eher noch zum Schlechteren.

Einer der negativen Höhepunkte: Bei ihrem Zweitrunden-Spiel bei den Australian Open 2013, das sie (fairerweise erwähnt) nicht ganz fit bestritt, wurde ihr SCHNELLSTER Aufschlag mit 157 km/h gemessen. Ein Wert, den ich als ein, zwei Mal pro Woche spielender Hobbyspieler am Aufschlagcorner beim bet-at-home Cup in Kitzbühel bereits ganz locker übertroffen habe. Unaufgewärmt und mit fremdem Schläger. Und als ein Spieler, der zwar doch einen gewissen Körpergrößen-Vorteil besitzt, aber in seiner Spielklasse (1. Klasse in Wien) selbst eine höchst ausgeprägte Aufschlagschwäche hat.

Besonders stark fällt die Schwäche bei Paszek auch daher ins Gewicht, da die Tendenz längst auch bei den Damen dahingeht, dass ein zumindest relativ guter Aufschlag zu einer absoluten Grundvoraussetzung wird, um in der erweiterten Weltspitze mitzuspielen. Natürlich muss es jedem klar sein, dass sich aus solch eklatanten Schwächen nur schwer Stärken herbeizaubern lassen. Doch wenn so ein Manko über einen solch langen Zeitraum bekannt und immer noch nicht behoben ist, und das bei einem Profi, der eigentlich fast tagtäglich trainieren sollte und sein Geld damit verdient, muss man schon mal hinterfragen, warum das nicht passiert ist.

Mein Eindruck: Ich habe Tamira als extrem ehrgeiziges und motiviertes Kind erlebt. Und ich habe das Gefühl, dass sich das mit der Zeit – wenn man auch schon so früh so viel erreicht hat und sich in der Welt des Glitzers und Glamours der großen Bühne wohlzufühlen beginnt – ein bisschen geändert hat. Schon 2008 hatte ich erstmals so ziemlich ungewohnte Worte von ihr vernommen, als sie im Fed Cup als hohe Favoritin der damals noch unbekannten Schweizerin Stefanie Vögele unterlegen gewesen war – und nachher ernsthaft von einer „guten Leistung“ gesprochen hatte. Worte, die man vom so ehrgeizigen „Wunderkind“ Tamira Paszek niemals gehört hätte. Der nicht austrainierte Körper bestätigt meine Eindrücke nur weiter.

Man muss Tamira jedoch auch ein wenig verteidigen und darf niemals vergessen: Nicht viele Österreicherinnen können von sich behaupten, drei WTA-Turniere gewonnen zu haben, die Nummer 26 der Welt gewesen zu sein und zwei Mal im Wimbledon-Viertelfinale gestanden zu haben. Und zweifellos ist auf sie in sehr jungem Alter extrem viel eingeprasselt: ein sehr exzentrischer und dominanter Vater, etliche Trainerwechsel, die hohe Erwartungshaltung der Öffentlichkeit und Medien, der Erfolg im Teenager-Alter und damit verbundener Druck. Und sieht man sich an, was aus so manch anderen „Wunderkindern“ wie etwa Ashley Harkleroad geworden ist, dann hat Tamira schon jetzt eine außergewöhnlich gute Karriere hingelegt.

Mit all dem und auch noch privaten Rückschlägen muss man erst fertig werden. Und bei allen Höhen und Tiefen, von denen sie schon so viele durchgemacht hat, darf man auch nicht außer Acht lassen, dass Tamira erst 23 Jahre alt geworden ist und (hoffentlich) noch viele Jahre als Tennisprofi vor sich hat. Es besteht kein Zweifel, dass sie von ihrem Potential her in die Top 100 der Welt gehört und wohl auch unter die Top 50. Doch wenn es ihr nicht gelingen sollte, ihre Schwächen zu beseitigen und ihr Spiel auch auf anderen Belägen als Rasen zu steigern, wird es für sie bei der stetig zunehmenden Dichte im Damentennis immer schwerer werden, in einstige Ranking-Regionen zurückzukehren.

Und dann müsste sich Tamira wie schon so viele Talente zuvor die Frage stellen, ob denn in ihrer Karriere nicht noch viel mehr drinnen gewesen wäre. Doch so weit ist es ja noch nicht. Der Umkehrtrend nach oben lässt sich ganz sicherlich bewerkstelligen, daran habe ich nicht den geringsten Zweifel. Und für die dafür nötige harte und konsequente Arbeit ist es nicht zu spät. Besser aber heute als morgen.
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Serena: "We have great personalities like Jelena (Jankovic) on the tour."
Jelena: "If I had to pick someone after me, I'd pick Serena."

Good Luck
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T. Paszek A. Chakvetadze K. Sprem J. Dokic I. Tulyaganova A. Myskina
GNTM 2014 ist Stefanie !
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