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Old Jun 17th, 2012, 04:13 PM   #127
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Re: Petko Articles & Interviews

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VERLETZTE PETKO

Ich habe Angst, dass ich nicht mehr mitkomme

ANDREA PETKOVIC ÜBER IHR VERLETZUNGSPECH, NIETZSCHES HILFE UND OPERN-ARIEN




Von NICK SEELIGER

BILD AM SONNTAG: Nach der zweiten schweren Verletzung innerhalb von drei Monaten – haben Sie da gedacht: Das war's mit Tennis?

ANDREA PETKOVIC (24): Erstaunlicherweise nicht. Die Angst, dass meine Karriere vorbei sein könnte, war nicht da. Es ist natürlich schon krass, wenn du siehst, dass in einer Sekunde alles kaputt geht, was du dir mühsam antrainiert hast. Der Körper baut schnell ab.

Die Olympischen Spiele in London starten schon am 27. Juli. Auf wie viel Prozent schätzen Sie Ihre Chancen dabei zu sein?

Als Kind habe ich immer von Olympia geträumt. Und wenn ich wollte, könnte ich den verletzten Fuß jetzt zutapen und ab nach London. Wenn ich zu den Olympischen Spielen fahre, will ich aber im Vollbesitz meiner Kräfte sein. Und auch eine Chance haben.

Wie weit sind Sie?

Vor einer Woche hätte ich gesagt, London ist unrealistisch. Da habe ich nur statisch trainiert, war nicht auf dem Platz. Inzwischen sieht es besser aus. Ich bin das erste Mal gejoggt und schlage schon wieder Bälle. Die Hoffnung ist da.

Aber werden Sie je wieder so unbeschwert in ein Tennisspiel gehen wie vor den Verletzungen?

Zwei Dinge machen wir Angst: Dass sich das Tennis so weiterentwickelt hat und dass ich in der Weltspitze nicht mehr mitkomme.

Und das Zweite?

... ​dass ich keinen Willen mehr habe, mich noch mal durch die Reha zu quälen, sollte ich mich erneut verletzen. Dass es das war mit meinem Lebenstraum. Ich hatte bisher immer das Gefühl der Unzerstörbarkeit. Nach dem Motto: Selbst wenn ein Bus auf mich fällt, ich komme wieder. Und bis zu diesem Horror-Jahr habe ich ja meinen Traum gelebt.

Wie muss man sich das eigentlich vorstellen, wenn ein Energiebündel wie Sie plötzlich Ruhe verordnet bekommt?


Ein Alptraum. Nur Zuhause. Bett. Sofa. Bett. Ich habe unterbrochen ESPN geschaut, jede Sportart – Basketball, Baseball, Eishockey. Und zwischendurch Youtube-Videos. Ich konnte nicht mal ins Kino. Für die Treppen in den Saal hätte ich ja zwei Stunden gebraucht und dann ist der Film schon vorbei.

Wimbledon verpassen Sie. Die Australien Open und die French Open konnten Sie nur vorm TV verfolgen. Wie groß ist der Neid auf die, die statt Ihnen 2011 jetzt im Viertelfinale standen?

Auf die deutschen Mädels überhaupt nicht. Ich habe alle ihre Spiele vorm TV gesehen und mich manchmal aufgeregt, als ob ich selbst gespielt hätte. Aber als ich die anderen in den Viertelfinals sah, habe ich mir schon manchmal gesagt, die könntest du auch schlagen.

Nach der Politik haben Sie angefangen, Philosophie zu studieren. Welcher Philosoph hat Ihnen geholfen?

Nietzsche war eine Hilfe. Sein Zynismus. So kaputt wie der arme Friedrich die Welt gesehen hat – da habe ich mir gesagt: So schlecht kann es dir gar nicht gehen.

Einziger Vorteil der Verletzung: Sie können entspannt EM schauen. Wie erleben Sie die Spiele?

Ich muss das mit vielen Menschen zusammen sehen. Ich habe natürlich beide Nationaltrikots, bin also immer perfekt angezogen. Nur mit dem Herumspringen war das halt wegen der Verletzung noch nicht so...

In einem Werbespot singen sie mit Bastian Schweinsteiger und Magdalena Neuner die Hymne. Verstehen Sie Nationalspieler mit ausländischen Wurzeln, die nicht singen? Sie selbst sind im ehemaligen Jugoslawien geboren.

Das muss jeder für sich entscheiden. Aber ich kenne beispielsweise den Text der serbischen Hymne überhaupt nicht. Die deutsche dagegen singe ich mit. Bei uns im Fed-Cup-Team machen das alle Mädels. Wenn da welche neu hinzukommen, kriegen sie sicherheitshalber auch noch mal einen Text-Zettel. Bei mir verursacht die Hymne immer Gänsehaut. Auch wenn ich sehr schlecht singe.

Wirklich? Sie sind doch musikalisch, spielen auch Schlagzeug.

Ich wollte früher immer Opernsängerin werden, war total begeistert von "La Traviata". Ich hab mir alle Arien heruntergeladen und sie versucht nachzusingen. Zum Leidwesen meiner Eltern, meiner Schwester. Sie haben mir dann aus Selbstschutz geholfen, zu erkennen, dass das nichts für mich ist.

Sie wohnen noch bei Ihren Eltern in Darmstadt?

Ja, dass ist natürlich sehr angenehm. Aber es ist mir auch peinlich, wenn ich Leute kennenlerne und ich ihnen sagen muss: Ich lebe noch bei den Eltern. Ich bin 24 Jahre alt. Deshalb suche ich auch eine Wohnung...

Sie haben in Ihrer Karriere 2,5 Millionen Dollar an Preisgeldern verdient. Haben Sie keine Lust, wie andere Sportler Deutschland zu verlassen und in einem anderen Land Steuern zu sparen?

Nein, ich habe lieber weniger Geld auf dem Konto als auf meine Heimat zu verzichten. Was nützen mit die Millionen in der Schweiz, wenn ich meine Familie, meine Freunde nicht um mich habe. Ich bin gern in Darmstadt. Auch wenn ich vielleicht nicht immer hier leben werde, in Deutschland bleibe ich auf jeden Fall.
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