TennisForum.com - View Single Post - Anne Schäfer

Thread: Anne Schäfer
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Old Mar 5th, 2007, 10:03 PM   #8
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Re: Meet Anne Schäfer

Mal ein bisschen was von Anne, sehr interessant, wie man als Spielerin so die 10000er Welt erlebt:

Quelle: http://www.anne-schaefer.com/2007/tu...h_Portinao.htm

Quote:
Von Biberach nach Portimao (in 28 Stunden)

Vor gut zwei Wochen, kurz nach unserem Kondi- und Skilager, reiste ich mit dem Zug zum 25.000$-Turnier nach Biberach. Zunächst stand ich auf der Liste der Qualifikanten, doch nach kurzfristigen Absagen einiger Spielerinnen „rutschte“ ich noch ins Hauptfeld, so dass mir die Qualifikation erspart blieb. So hatte ich noch ein paar Tage Zeit zum Trainieren und um mich an den Rebound-Ace-Belag zu gewöhnen.
Das Turnier war mit ständig einsatzbereitem Shuttle-Service, Players-Abend, Spielerlounge, zur Verfügung stehenden Trainingsplätzen und einer stets freundlichen Turnierleitung sehr gut organisiert!Geschlafen habe ich zusammen mit ein paar anderen Spielerinnen in einer Jugendherberge, die nur ca. 10 Autominuten von der Anlage entfernt war.

Als die Quali abgeschlossen war und das Hauptfeldtableau erstellt wurde, bekam ich die starke Qualifikantin Pauline Wong zugelost. Meine Bilanz ihr gegenüber war mit 0:1 negativ und auch in Biberach konnte ich nicht gewinnen, aber es war ein gutes Spiel. Dass Pauline Wong in sehr guter Form war, bewies sie mit dem Zweitrundensieg über die Topgesetzte Renata Voracova, die knapp über 100 in der WTA-Rangliste steht.

Doch im Doppel ging es dann weiter. Zusammen mit der Pfälzerin Dominice Ripoll siegten wir in Runde 1 über das an 3 gesetzte Team Klaschka/Chalova (GER/RUS) mit 6:2/6:1. Das Viertelfinale bestritten wir gegen das eingespielte Doppel Brown/Suarez-Navarro (GER/ESP). Nach einer 5:2-Führung stand es dann jedoch 5:5 – doch wir ließen uns nicht beirren und gewannen den Satz mit 7:5. Im Zweiten ging es dann schneller: 6:1 und wir standen im Halbfinale… Das Halbfinale war am Samstag.

Meine weitere Turnierplanung sah aber einen Flug zum 10´er nach Portugal schon am Sonntagmorgen 6 Uhr von Leipzig vor… Dazwischen sollte eigentlich mindestens noch Zeit für eine 5-stündige Heimreise mit dem Zug, einmal komplett Wäschewaschen sowie eine Fahrt zum Leipziger Flughafen mit Ankuftszeit 4 Uhr sein… Doch das war ganz schön knapp bemessen… Das Wäschewaschen ließ sich glücklicherweise noch am Freitagabend in der Jugendherberge erledigen und Herr Schmid von der Turnierleitung legte ein gutes Wort für mich beim Turnierdirektor ein, dass das Doppel anstatt Samstagnachmittag auf Samstagmittag 13 Uhr verlegt wurde, so dass ich im Falle einer Doppelniederlage noch meinen Flug geschafft hätte. Bei einem Finaleinzug hätte ich mir vom Preisgeld wohl einen neuen Flug für Montag gekauft.

Wir trafen auf die Topgesetzten Bratchikova/Radwanska (RUS/POL). Wir spielten gut und das Doppel machte Spaß, doch wir verloren leider mit 3:6/3:6…

Im Eiltempo hieß es dann Duschen, zum Bahnhof fahren und Ticket kaufen, um den Zug in die Heimat um 15.19 Uhr zu erreichen. Geschafft! Und bei Dunkelheit kam ich spät am Abend in Apolda an. Ein paar Stunden geschlafen, dann brachten mich mein Freund und mein Papa nach Leipzig zum Flughafen. Ich war s.. müde… Am Flughafen gab es dann noch Probleme bei der Sicherheitskontrolle, da mir die neue Sicherheitsregelung (Flüssigkeiten gehören nur noch bis max. 100 ml ins Handgepäck – aus Vorsicht vor Gepäckverspätung hatte ich natürlich meine ganze Waschtasche mit Deo-Spray, Cremes etc. im Handgepäck…) irgendwie entgangen war. Im Endeffekt musste ich mir in Portugal ein neues Deo kaufen, doch glücklicherweise durfte ich meine Kontaktlinsenflüssigkeit behalten. Total erschöpft saß ich im Flieger und bin sofort eingeschlafen (nicht einmal die Sicherheitshinweise der Stewardessen vor dem Start habe ich mitbekommen) und bin erst in Palma de Mallorca (Zwischenstopp) wieder aufgewacht. Dort hatte ich dann 6 Stunden Zeit, mich auf den Flughafenbänken zwischen Snackautomaten und Gepäckstücken auszuschlafen, bis ich nach Faro weiterflog.

Am späten Nachmittag war ich dann endlich in Portugal, doch zwischen dem Flughafen Faro und dem Turnierort Portimao lagen noch 60km, eine 45-minütige Autofahrt bzw. 88,80 Euro Taxigeld (andere Transportmöglichkeiten gab es nicht, wenn ich nicht Mitternacht erst im Hotel sein wollte)!!! Im Internet stand eigentlich ein fixer Transportpreis von ca. 50 Euro, doch was sollte ich gegen den portugiesischen Taxifahrer sagen, der immer wieder auf die knapp 90 Euro zeigte und mir auf portugiesisch versuchte verständlich zu machen, dass ich endlich zahlen sollte?!?! Okay, ich bin sicher im Hotel angekommen, es dämmerte schon und ich sehnte mich nur noch nach einem Bett, also zahlte ich.
Das Hotel hatte Qualität und war trotzdem angenehm preiswert. Das Zimmer teilte ich mir mit der zweiten deutschen Spielerin im Feld, Sabrina Jolk, und wir hatten eine schöne Zeit.

In Portimao spielte ich das erste Mal auf „richtigem“ Hartplatz, auf Beton. Das Spiel in der freien Luft gefiel mir richtig gut – die Sonne lacht, ein frisches Lüftchen weht. Den Montag hatte ich noch zum Eingewöhnen und zum Erholen von der Reise.

Für Dienstag war unser Doppelmatch angesetzt, was aufgrund von Regen dann aber doch auf den nächsten Tag verschoben wurde. Ich spielte mit der Italienerin Denise Mascherini. Wir sind uns bei diesem Turnier das erste Mal begegnet, verstanden uns aber gleich richtig gut. Uns gegenüber standen die beiden eingespielten Französinnen Huck/Haring (an Position 3 gesetzt). Trotz einer 4:6/3:6-Nierdelage haben wir gleich von Beginn an ein gutes und lustiges Doppel gespielt und haben uns daraufhin schon für weitere Turniere zum Doppel verabredet.

Meine Einzelerstrunde begann leider nicht so gut (ich habe echt bodenlos gespielt), doch dafür habe ich gewonnen (1:6/6:2/6:1 gegen die Bulgarin Pavlova)… Hmm, was ist jetzt nun besser? *g*

Doch das nächste Match gegen unsere Doppelgegnerin Violette Huck aus Frankreich wurde deutlich besser – der erste Satz war nach einem 0:2-Rückstand fast ein Traum - 6:2! Aggressives, intelligentes Tennis mit einer sehr geringen Fehlerquote! Für den zweiten Satz konnte ich das gute Tennis noch nicht ganz halten. Ich machte nur ein, zwei Fehlerchen mehr und das genügte meiner Gegnerin schon, um das Zepter in die Hand zu nehmen - 1:6. Da sieht man, dass wirklich nur kleine Dinge manchmal entscheidend sind. Im Entscheidungssatz ging es dann darum, „Wer hat den besten Kampfgeist und den festen Willen zum Sieg“. Natürlich spielt das Glück zum Linienball oder Netzroller bei einem Big Point dabei auch eine Rolle… Ich hatte es durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters bei einem wichtigen Spiel auf meiner Seite. Und auch das zweite Match bei diesem Turnier gewann ich in drei Sätzen. Doch das sollte noch nicht alles gewesen sein…

Denn auch im Viertelfinale gegen die starke Amerikanerin Robin Stephenson musste der entscheidende Dritte her. Stephenson legte bei diesem Turnier wie schon bei den Turnieren zuvor Topleistungen an den Tag und bezwang unter anderem die Topgesetzte Französin Haring. Ich war also gewarnt. Wieder siegte ich im ersten und verlor den zweiten Satz. Im Dritten waren mit Verletzungspausen und kleinen Regenschauern alle (un-)gewollten taktischen Raffinessen dabei und es hieß `einen kühlen Kopf zu bewahren´. Und das gelang mir beim Stand von 5:4 und 15:40 bei meinem Aufschlag. Ich ließ mich nicht beirren, kämpfte um jeden Punkt und spielte letztendlich bei Vorteil für mich den entscheidenden RückhandwinnerJ.

Voller Freude und Begeisterung über den Halbfinaleinzug verbrachte ich den weiteren Tag – doch die Freude hielt nicht so lange an, da mich urplötzlich gewaltige Schulterschmerzen plagten… wie aus dem Nichts heraus… Ich ging zum Physio und er massierte die Schulter etwas. Die Nacht war dann schrecklich, die Schmerzen wollten einfach nicht aufhören. Vor meinem Match am nächsten Tag tapte mir der Physio noch die Schulter und ich spielte mit Schmerztablette. Durch das Adrenalin waren die Schulterschmerzen dann im Match erträglicher als zuvor, doch ich konnte nicht meine ganze Leistung abrufen und verlor das Match gegen eine weitere Französin, Irena Pavlova, mit 3:6/4:6. Im Anschluss an dieses Match beschloss ich nicht nach Spanien zu einem weiteren geplanten Turnier weiterzufahren, sondern meiner Schulter zu Hause lieber etwas Ruhe zu gestatten.

Am Sonntag trat ich dann die Heimreise an (diesmal nutze ich einen Hoteltransport für die Hälfte des Taxipreises, um zum Flughafen zu gelangen). Dort herrschte Chaos. Die Check-In-Schalter waren vollkommen überfüllt und nichts tat sich… Gerade rechtzeitig zum Abflug schaffte ich es durch die Kontrollen zum Flieger. Doch nicht nur die Passagiere wurden gehetzt, denn im Eifer des Gefechts vergaß das Flughafenpersonal einen Container voller Gepäck in Faro und so standen ich und ungefähr weitere zwanzig Passagiere ohne ihr Gepäck am Berliner Flughafen. Doch mir war es recht, denn so trat ich ohne Schleppen nur mit meinem Handgepäck die Zugfahrt nach Apolda an.

Es waren zwei sehr schöne Turnierwochen, in denen ich viel gelernt habe, sehr nette Leute getroffen habe und jede Menge Spaß (und Sonne) hatte.
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Tatjana *Tadde* Malek
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