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Oct 27th, 2016 07:37 PM
Fury
Re: Petko Articles & Interviews

Quote:
Andrea Petkovic über Angelique Kerber
"Ihr Erfolg gibt mir Motivation"


Andrea Petkovic und Angelique Kerber sind nicht nur zwei der besten deutschen Tennisspielerinnen, sie sind vor allem Freundinnen. Was Freundschaft im Profisport bedeutet und warum sie sich immer aufeinander verlassen können, hat die Darmstädterin jetzt verraten.

Unterschiedlicher hätte das Jahr für die beiden Freundinnen Angelique Kerber und Andrea Petkovic kaum verlaufen können. Während die eine die Australian und die US Open gewann, bei den Olympischen Spielen den Sprung ins Finale schaffte und das Tennisjahr als Weltranglisten-Erste beenden wird, hat die andere sportlich enttäuschende Monate hinter sich. An ihrer Freundschaft aber hat das nichts geändert. "Wir haben uns in unserer ganzen Karriere gegenseitig beigestanden", sagte Andrea Petkovic im Gespräch mit dem hr-sport.
Mal haben sie sich im Training unterstützt, mal mental – sie waren immer füreinander da. "Es ist gut, jemanden an seiner Seite zu wissen, der da schon jahrelang ist. Das Verhältnis hat sich niemals geändert", so die 29-Jährige. "Bei uns gab es Höhen und Tiefen. Mal war sie vorn, mal ich." Als Petkovic mit ihren Verletzungen haderte, fand sie Halt bei Kerber. "Ich habe ihr dann geholfen, als sie eine schlechte Zeit hatte", verriet Petkovic. Vor allem, als Kerber 2011 ans Aufhören dachte.

Kerbers Erfolg wichtig für alle

Sie lotste ihre Freundin an die Offenbacher Tennis-Akademie und machte sie mit Athletik-Trainer Dominik Labonté bekannt, der Kerber in diesem Jahr zum Erfolg führte. "Ich würde gern mehr Kredit dafür bekommen, aber das hat mit mir nicht so viel zu tun", sagte Petkovic bescheiden. "Die Erfolge hat Angie schon ganz allein eingeheimst." Gefreut haben sie sich dann aber gemeinsam.
"Das ist super wichtig für uns, um Tennis wieder auf die Landkarte zu bringen in Deutschland. Das hat Angie super hinbekommen in diesem Jahr", sagte sie. Petkovic weiß um die Bedeutung von Kerbers Erfolg. Nicht nur für ihre Freundin selbst. "Für uns alle hat es einen Riesen-Mehrwert." Und das, obwohl ihr eigenes Jahr aus sportlicher Sicht durchwachsen verlief. "Ihr Erfolg gibt mir zusätzliche Motivation, um noch härter zu arbeiten, um noch einmal anzugreifen und hoffentlich gute Ergebnisse einzufahren", so Petkovic.

Vertrauen als Basis

Kraft für eigene, mutige Ziele gibt der Darmstädterin auch die Freundschaft zu Kerber. "Es ist wie mit alten Schulkameraden. Wenn man so lange befreundet ist, muss man nicht täglich miteinander sprechen", sagte Petkovic. "Es ist einfach gut zu wissen, dass ich die Olle anrufen kann, wenn alle Stricke reißen. Sie wird mir dann schon einen Tipp geben und ehrlich sein. Das ist das Wichtigste."
Eben jene Ehrlichkeit ist es, die die beiden Profi-Sportlerinnen im sonst so turbulenten Tennisgeschäft verbindet. "Das ist sehr wichtig. Ich glaube, auch Angie genießt, jemanden zu haben, dem sie vertrauen kann", so Petkovic. "Umso erfolgreicher sie wird, umso mehr wird sie auch von anderen Spielerinnen gejagt." Wie gut, dass sie dann eine Freundin an ihrer Seite hat.
Quelle: hessenschau.de/akro, Sven Litzenberg (hr-sport)
http://hessenschau.de/sport/mehr-spo...erber-100.html
Oct 18th, 2016 03:56 PM
RickZ
Re: Petko Articles & Interviews

Andrea Petkovic: "Ich weiß, dass ich hier richtig bin!"

Quote:
„Ich hatte unheimlich viel Spaß bei den olympischen Spielen. Ich könnte mir vorstellen oder würde gerne nochmal in Tokio dabei sein, aber ich weiß auch um die Zerbrechlichkeit meines Körpers sehr gut Bescheid, dass ich da einfach von Natur aus anfällig bin und ich mache wirklich das beste, was ich kann, um das zu limitieren – aber das ist mir schon bewusst. Deswegen lasse ich das alles offen.“
Glad she knows exactly how fragile herself is.
Oct 18th, 2016 03:50 PM
RickZ
Re: Petko Articles & Interviews

Quote:
Originally Posted by Sensai74 View Post
Defo. Acc to social media she had a relationship with Tilo Jung ... or they were at least friends with (many) benefits. Must have been a nasty break up.
I think she denied the relationship because he wasn't qualified for that. But there's no doubt that they had been dating for a few months.
Oct 17th, 2016 09:19 PM
Sensai74
Re: Petko Articles & Interviews

Quote:
Originally Posted by currie84 View Post
...
by the way she's lying about being single for 5 years unless that bearded journalist guy was just a friend,which i seriously doubt.
Defo. Acc to social media she had a relationship with Tilo Jung ... or they were at least friends with (many) benefits. Must have been a nasty break up.
Oct 17th, 2016 09:17 PM
the mixer
Re: Petko Articles & Interviews

Quote:
Originally Posted by currie84 View Post
Omg she's such a hipster : SNE:..she does not want to date an athlete,only artists, or nobel winner writers will do..

by the way she's lying about being single for 5 years unless that bearded journalist guy was just a friend,which i seriously doubt.
I think you're willfully misinterpreting it, she just said she isn't into athletes. Always seemed that way, couldn't imagine her going out with any other player, unless maybe Gulbis. Tennis players seem mostly quite insular and not that knowledgeable, having been groomed for sports since elementary school. It's not a boast, it's probably sad because she seems like she can be quite lonely on tour without a relationship, unlike say Angie who doesn't seem bothered at all.

I think she maybe wanted that guy you're talking about to be a boyfriend, reading between the lines, but he wasn't up for it. It wouldn't surprise me if that was behind the meltdown at Linz/Luxembourg a couple of years ago.

I thought it was a fascinating read overall. Especially about her family, her reluctance to get to involved with other players, and admitting that she has an ego and likes the attention.
Oct 17th, 2016 08:06 PM
currie84
Re: Petko Articles & Interviews

Omg she's such a hipster : SNE:..she does not want to date an athlete,only artists, or nobel winner writers will do..

by the way she's lying about being single for 5 years unless that bearded journalist guy was just a friend,which i seriously doubt.
Oct 17th, 2016 04:21 PM
Saraya!
Re: Petko Articles & Interviews

Sprachlos
Oct 17th, 2016 03:10 PM
selesia
Re: Petko Articles & Interviews

SZ-Magazin - Interview:

»Über Niederlagen redet im Tennis keiner«

INTERVIEW: XIFAN YANG FOTOS: JULIAN BAUMANN

Sie liest Dostojewski nach dem Training und denkt immer wieder übers Aufhören nach: Andrea Petkovic gilt als die eigensinnige Intellektuelle im deutschen Tennis. Ein Gespräch über Motivationskrisen, ihre Freundschaft zu Angelique Kerber und das Leben abseits des Profisports.

***


SZ-Magazin: Sie haben eine turbulente Laufbahn hinter sich. Vor fünf Jahren standen Sie unter den zehn besten Spielerinnen der Welt, dann waren Sie zwei Jahre lang immer wieder verletzt. Und nachdem Sie sich 2014 zurück an die Weltspitze gekämpft hatten, dachten Sie wenig später öffentlich über ein Karriereende nach. Was war los?

Andrea Petkovic: Da hatte ich eine existenzielle Krise. Ich war nicht mehr sicher, ob Tennis noch das Richtige für mich ist, ob ich noch die nötige Motivation habe, ganz oben mitzuspielen.

Woher kam diese Krise?

Nach meiner Verletzungspause wollte ich es unbedingt noch mal allen zeigen. Als ich wieder unter den Top Ten war, war dann auf einmal die Luft bei mir raus. Wie bei einem Ballon. Darum habe ich mir dieses Jahr wenig vorgenommen. Mein einziges Ziel war, herauszufinden, wie viel Leidenschaft noch da ist für diesen Sport. Warum spielst du eigentlich Tennis? Wegen des Sports, wegen den anderen? Ist es reine Ego-Geilheit?

Was meinen Sie damit?

2011 war mein erfolgreichstes Jahr, das war pure Eitelkeit. Ich fand es so toll, im Rampenlicht zu stehen! Die Verletzungen waren kein Schicksalsschlag von Gott. Obwohl ich schon Rückenschmerzen hatte, habe ich immer weiter und weiter gespielt. Ich fand es so super, auf den Centre-Courts dieser Welt zu spielen, und alle jubeln dir zu. 2012 war mein Rücken wegen Ermüdung gebrochen. Das habe ich mir schon selbst eingebrockt.

Was haben Sie in Ihrer Verletzungspause gemacht?

Das ist für jeden Sportler eine sehr schwierige Phase. Man verliert ein Stück weit Vertrauen in seinen Körper und muss anderen dabei zuschauen, wie sie das tun, was man selber gerne täte. Immer wenn ich längere Zeit ausgefallen bin, habe ich mir aber eine Aufgabe gesucht, um etwas Ablenkung zu haben. 2008, als ich 21 war, war mein Kreuzband für acht Monate gerissen. In der Zeit habe ich ein Praktikum in der hessischen Staatskanzlei unter dem damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch gemacht.

Wie waren Sie auf diese Idee gekommen?

Ich dachte damals, als Politiker könnte man die Welt verändern. Es war dann ziemlich dröge und bizarr. Aktenlesen, steife Termine. Nichts für mich.

Haben Sie inzwischen Ihre Krise überwunden?

Ich habe dieses Jahr so etwas wie einen zweiten Atem gefunden. Das Anstrengendste sind ja die Routinen: das Warmmachen vor dem Training. Das Training. Das Workout im Kraftraum. Das Tennisspielen selbst, die Matches, da läuft das Adrenalin. Das ist einfach. Aber ich habe wieder Spaß an der Disziplin.

Sie hätten eine »zerissene Seele«, haben Sie einmal in einem Interview gesagt. Und dass das mit Ihrer Herkunft zu tun habe: Sie stammen aus einer serbischen Familie, Ihre Eltern sind vor dem Jugoslawienkrieg nach Darmstadt geflohen. Sie waren sechs Monate alt.

Ich kann mich erinnern, dass ich mich als Kind nie zugehörig gefühlt habe. Wenn mich früher in der Schule jemand nach meinem Namen gefragt hat, habe ich »Andrrrrea« geantwortet und das R dabei gerollt. Die Leute dann gleich: Hä, woher kommst du denn? Ich war nicht beim Logopäden, aber irgendwann habe ich mir abgewöhnt, das R zu rollen. Wenn man genau hinhört, merkt man, dass ich es heute hinten noch ein bisschen gurgle. Damals in der Schule war mir das extrem unangenehm.

Wie hat Sie dieses Gefühl der Nichtzugehörigkeit geprägt?

Meine Eltern haben immer gesagt: Fall bloß nicht auf. Wir sind hier neu. Wir müssen uns anpassen, die dürfen ja nicht schlecht über uns reden. Bis heute können beide nicht richtig gut Deutsch. Aber das Tennis war wichtig für unsere Integration. Ihr Vater arbeitete in Darmstadt als Tennistrainer. Mit sechs Jahren fingen Sie an, Tennis zu spielen.Mein Vater war früher selbst Davis-Cup-Spieler. In Darmstadt fanden wir durch den Tennisklub schnell Anschluss und haben Leute kennengelernt, die mich später gefördert haben. Mein Vater war eigentlich dagegen, dass ich Profi werde. Für ihn stand die Schule an erster Stelle. Er wollte, dass ich etwas anderes mache.

Sie haben Ihr Abitur mit der Note 1,2 abgeschlossen. Was hätte sich Ihr Vater vorgestellt?

Ich hatte damals einige Angebote von Elite-Colleges in den USA. Hätte ich sie angenommen, wäre ich heute wahrscheinlich Anwältin. Ein schrecklicher Gedanke!

Warum lieber Tennis?

Ich bin einfach süchtig nach dem Kick: Du kommst auf den Platz. Du siehst den Schiedsrichter, den Balljungen, die Gegnerin. Die Achterbahnfahrt geht los. Ich bin ein Ehrgeizling. Ich will gewinnen, ich genieße es, mich zu messen. Das sind die Momente, in denen ich das Leben am intensivsten spüre. Andere machen Bungee-Jumping, mich bringt das Tennis ans Limit.

Ihre ersten Deutschen Meisterschaften haben Sie mit 14 gespielt. Eine der Konkurrentinnen Ihres Jahrgangs hieß Angelique Kerber.

Angie und ich kennen uns schon ewig! In dem Jahr habe ich gegen Ann-Kathrin Gerk gewonnen, das damals größte deutsche Talent. Das war der Moment, in dem ich dachte: Ich kann das gut, ich will Profi werden. Ein Jahr drauf habe ich im Finale gegen Angie verloren.

Vor fünf Jahren waren Sie die beste deutsche Spielerin. Sie waren unter den Top Ten der Weltrangliste, Angelique Kerber auf Platz 32. Heute ist Kerber die Nummer eins der Welt. Wie haben Sie ihr gratuliert, als Sie von Ihrem Sieg bei den US Open gehört hatten?

Ich war schon zurück in Darmstadt und habe ihr eine lange Sprachnachricht geschickt mit einem Selfie. Wir sind privat gut befreundet.

Gibt es auch Rivalität zwischen Ihnen?

Klar habe ich gedacht: Das würde ich auch gern schaffen. Welcher Spieler würde das nicht? Gesunde Rivalität gehört dazu. Angie und ich sind zeitgleich von derselben Position gestartet, mal lag die eine vorne, mal die andere. Dann hatte ich diesen Zwei-Jahres-Break in meiner Karriere. Zwei Jahre komplett raus zu sein aus der Weltspitze, das ist sehr, sehr viel. Da kann man lange spekulieren, was wäre wenn. Das habe ich lange genug gemacht, mich zu fragen: Warum ist ausgerechnet mir das passiert? Aber es bringt nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Jeder muss seinen eigenen Erfolg für sich definieren. Ich lese gerade ein sehr interessantes Buch, The Art of Rivalry, da geht’s um bekannte Künstlerfreundschaften zwischen Picasso und Matisse, Freud und Bacon, Manet und Degas, Pollock und de Kooning. Es geht darum, wie ihre Freundschaft, aber auch ihre Rivalität sie jeweils zu Höchstleistungen angespornt haben. Nachdem ich erfahren hatte, dass Angie die US Open gewonnen hat, habe ich zu meinem Vater gesagt: Komm, wir gehen Tennis spielen. Obwohl ich noch erkältet war. Es motiviert dich, wenn du siehst, was eine Freundin von dir erreicht. Mit wie viel Freude das verbunden ist.

Verbringen Sie viel Zeit miteinander, wenn Sie auf Tour sind?

Absurderweise haben wir uns bei den US Open kaum gesehen, obwohl wir zwölf Tage beide in New York waren. Das ist manchmal so: Man wohnt in unterschiedlichen Hotels und spielt an verschiedenen Tagen. Aber wir schreiben uns immer SMS.

Was schreiben Sie sich?

Ich in letzter Zeit vor allem: Glückwunsch! Und sie: Danke! Oft tauschen wir auch Taktiken miteinander aus. Wenn sie gegen eine Gegnerin spielt, gegen die ich gerade erst gespielt habe, wie neulich in Cincinnati, schreibe ich ihr zum Beispiel: Die musst du laufen lassen, Rückhand ist schwierig. Umgekehrt gibt sie mir genauso Tipps.

Wie häufig sind enge Freundschaften im Tennis?

Bei den meisten musst du im Hinterkopf behalten, dass sie auch Konkurrentinnen sind. Du musst aufpassen, dass du nicht zu viel teilst. Da gibt es immer eine Schranke. Bei Angie und mir ist das anders. Wir haben alles zusammen durchgemacht. Deutsche Meisterschaften, die kleinen Turniere, als wir noch kein Geld hatten und uns Zimmer geteilt haben mit noch drei, vier anderen. Selbst wenn ich gegen sie spiele, ist diese Schranke weg. Angie hat mich auch schon in Darmstadt besucht, so was ist selten. Aber es gibt viele Spieler, mit denen ich mich gut verstehe und mit denen ich gerne rumblödle, Ana Ivanovic oder Novak Djokovic.

Es heißt oft, Sie seien nicht die »typische Tennisspielerin«. Sondern eine Intellektuelle.

Das ist das, was andere über mich sagen.


Ist was dran?

Ich liebe Tennis, aber nicht nur. Ich will nicht mit 32 meine Profikarriere beenden und dann immer noch der gleiche Mensch sein wie mit 19. Ich bin süchtig nach gutem Essen, ich gehe gerne in Museen. Ich liebe Musik, Filme, Literatur.

Woher kommt Ihr Interesse an Kultur?

Am engsten bin ich nach wie vor mit meinen Schulfreunden aus Darmstadt, von denen viele inzwischen Kreative sind, Künstler, Musiker, Fotografen. Wenn ich die nicht hätte, wäre es bei mir wie bei den meisten Sportlern: Man kommt aus einer Sportlerfamilie. Man fängt an, Sport zu machen. Man interessiert sich für Sport. Man bleibt im Sport. Ich fühle mich zu Künstlern hingezogen, weil sie das genaue Gegenteil meines Lebens leben – die strenge Disziplin, früh ins Bett gehen, Ernährungspläne einhalten. Wir leben in einer kleinen, sehr behüteten Blase. Immer dieselben Kollegen, immer dieselben Journalisten. Wenn deine Klamotten dreckig sind, drückst du sie jemandem in die Hand, und am nächsten Tag bringt er sie sauber wieder. Die Tenniswelt ist für mich auch nicht mehr ganz so glamourös, wie sie es am Anfang für mich war. Alles Große schrumpft irgendwann.

Mit wie vielen Kollegen in der Tenniswelt können Sie sich über Hannah Arendt unterhalten?

Mit nicht so vielen.

Sie posten oft auf Instagram, welche Bücher Sie gerade lesen. Neben Hannah Arendt auch Jonathan Franzen, Haruki Murakami, Hemingway. Neulich haben Sie ein Foto von Das Kapital im 21. Jahrhundert von Piketty gepostet. Haben Sie das zu Ende gelesen?

Haha, nein. Es fing schon interessant an, aber irgendwann kamen mir zu viele Zahlen.

Lesen Sie jeden Tag?

So zwei Stunden im Schnitt. Gerne Sachbücher, wobei ich versuche, das Lesen während Wettkämpfen zu reduzieren, sonst ist mein Kopf zu voll.


Was lesen Sie zurzeit?

(Sie holt Dostojewkis Die Brüder Karamasow aus der Sporttasche.)

Auch keine leichte Kost. Empfehlen Sie anderen Spielern Bücher?

Einmal habe ich Ana Ivanovic Unendlicher Spaß von David Foster Wallace empfohlen. Sie hat es tatsächlich gekauft und die ersten zwanzig Seiten gelesen. Anschließend hat sie mir den Vogel gezeigt: Was für ein Scheiß! Sie habe kein Wort verstanden.

Aber in dem Buch geht es doch um Tennis.

Ja eben! Der schreibt so geil über Tennis. Mit einem philosophischen Blick. Aber Ana sagte nur: Andrea, so ein Schwachsinn. Neulich habe ich dann meinen spanischen Kollegen Feliciano López gezwungen, mit mir ins Kino gehen. A Bigger Splash mit Tilda Swinton haben wir uns angeschaut. Er war so genervt! Seither habe ich es aufgegeben. Mit Angie Kerber gehe ich manchmal zusammen in die Stadt, wenn wir zur selben Zeit irgendwo spielen. Ich gehe dann ins Museum, und Angie macht was anderes.

Finden andere Tennisspieler Ihre Interessen sonderbar?

Wenn es mal nicht so läuft bei mir, gibt es immer wieder einige, die mir vorwerfen: Die ist mit dem Kopf nicht richtig da. Das ist tatsächlich oft mein Problem: Ich denke auf dem Platz zu viel nach.

Was geht Ihnen durch den Kopf?

Ich denke zu viel über den richtigen Schlag nach, statt einfach nach dem Gefühl zu gehen. Das lerne ich jetzt erst langsam: Meine Gedanken zu minimieren, wenn auch nur für einen Satz. Öfter in den Flow-Zustand reinzukommen, wenn man instinktiv fühlt, was man machen muss. Dann läuft es von alleine.

Wie ticken andere Profis?

Maria Sharapova beneide ich sehr um ihre mentale Stärke. Man sieht förmlich, dass sie von klein auf Rituale antrainiert bekommen hat. Nach jedem Ballwechsel dreht sie sich um. Sie geht durch, was sie machen muss. Dann kommt sie zur Linie zurück und ist hundertprozentig da. Ich kenne sie, seit sie 13 ist, das hat sie damals auch schon gemacht. Ich versuche, mir diese Stärke jetzt anzutrainieren, mit 29. Fehler abhaken. Nach vorne schauen. Im Moment bleiben.

Reden Sie mit Kollegen über Ängste und Schwächen?

Die meisten Gespräche sind schon eher oberflächlich: »When did you arrive?« – »Oh, I am so jetlagged!« – »Who are you playing against?« – »How do you feel?« Mit manchen kann man beim Bier schon mal offen über Nervosität sprechen. Über Niederlagen spricht aber eigentlich niemand.

Sofern man nicht den Pokal gewinnt, endet jedes Turnier für jeden mit einer Niederlage. Wie gehen Sie mit Niederlagen um?

Nachdem ich bei den US Open ausgeschieden war, bin ich in New York geblieben und habe mich mit Freunden abgelenkt. Sobald man etwas Ruhe hat, setzt aber die Enttäuschung ein. Die Ohnmacht. Weil ich nicht zurückgehen und den entscheidenden Moment ändern kann. Ich brauche dann zwei, drei Tage, um wieder von dem Schmerz runterzukommen.

Sie spielen das Match wieder und wieder im Kopf nach?

Ich kann nicht anders. Ich will aus meiner Haut raus und jemand anders sein, aber das geht nicht. Selbst wenn ich drei Tage im Koma liegen würde, wäre der Schmerz nach dem Aufwachen wieder da.

Wird man mit zunehmender Erfahrung nicht entspannter?

Doch. Wenn du das Ego-Ding etwas ablegst, minimieren sich auch die Ängste. Wenn früher meine Resultate nicht gut waren, hatte ich immer Angst, dass ich wieder verliere. Das hat sich hochgesteigert, ein Teufelskreis. Seit ich Tennis um des Tennis willen spiele und nicht mehr so aufs Ergebnis fokussiert bin, kommen die Ergebnisse paradoxerweise von alleine.

Sie reisen von Turnier zu Turnier. Gerade kommen Sie aus New York, davor waren Sie in Rio. Nächste Woche fliegen Sie nach Tokio, danach spielen Sie in China. Sie leben aber immer noch in Darmstadt.

Zwischen den Reisen tut es gut, in einer relativ ruhigen Stadt zu sein. Darmstadt ist für mich Heimat. Meine Eltern leben hier, ich wohne mit meiner Schwester in einem Haus. Nach spätestens zwei Wochen will ich aber in die Welt.

Sind Sie in einer Beziehung?

Ich bin seit fünf Jahren Single. Die männlichen Profis haben ihre Ehefrauen, die überallhin mitreisen. Für Frauen ist es schwierig.

Inwiefern?

Männer können während ihrer Karriere auch Kinder haben, das beeinträchtigt sie nicht. Victoria Azarenka hat Anfang des Jahres klar Kurs auf die Nummer eins genommen. Dann kam die Nachricht: Schwanger. Bumm. Raus. Ein Jahr weg. Eigentlich ist die Schwangerschaft was Schönes. Trotzdem sagen viele: Wie kann die jetzt schwanger werden? Ist die verrückt? Mit Svetlana Kuznetsova habe ich mich neulich wieder drüber unterhalten. Sie hat gesagt: »It’s impossible for female tennis players to have a boyfriend.« Du bist dreißig bis vierzig Wochen im Jahr unterwegs, das macht kaum ein Mann mit. Viele sind mit anderen Sportlern zusammen, mit ihrem Trainer oder ihrem Physio. Das wäre keine Option für mich.

Warum nicht?

Ich war noch nie an Sportlern interessiert. Das ist mir nicht geheuer. Dann bist du noch mehr in dieser Blase drin.

Wissen Sie schon, was Sie nach Ihrer Tenniskarriere machen?

Ich denke immer öfter darüber nach. Ich weiß auf jeden Fall, dass ich weiter reisen will. Ich sehe mich als Wandervogel. Ich fühle mich überall schnell zu Hause. Ich will nicht an einem Ort sein. Zwei Jahre Paris. Zwei Jahre New York. Zwei Jahre Montreal. Und Tokio! Vielleicht gründe ich eine Produktionsfirma für Filme.

Und wann hören Sie mit dem Tennis auf?

Olympia in Tokio 2020 will ich noch erleben. Aber fragen Sie mich nächstes Jahr noch mal. Ich bin da volatil wie eine Aktie.


Photos



Andrea Petkovic Interview - Sport
Sep 20th, 2016 01:42 PM
Fury
Re: Petko Articles & Interviews

Quote:
Ganz bitter für Andrea Petkovic! Die 29-Jährige muss in Japan unter Tränen aufgeben – nach einer bis dahin ansprechenden Leistung.

„Petko“ zeigte sich gegenüber den letzten Wochen enorm formgesteigert. Dann aber machte der rechte Oberschenkel dicht.

Starker erster Satz von Petkovic

Gegen die an Nummer acht gesetzte Russin Anastasia Pawljutschenkowa (Nummer 17 der Welt) galt die Deutsche als Außenseiterin. Doch davon und auch vom schnellen Break zum 0:1 ließ sich Petkovic nicht aus der Konzentration bringen. Das Rebreak zum 1:1 folgte prompt, danach konnte die Darmstädterin jeweils zum 2:1 und 3:2 vorlegen.

Auch das Break zum 3:4 war noch keine Vorentscheidung, da Petkovic wieder umgehend der Ausgleich gelang. Als Pawljutschenkowa ihr dann aber zum dritten Mal den Aufschlag abnehmen konnte, gab es im ersten Satz kein Comeback mehr. Die Russin nutzte letztlich ihren vierten Satzball nach satten 58 Minuten zum 6:4.

Aufgabe in Satz zwei

Zu Beginn des zweiten Durchgangs folgten zwei schnelle Spielgewinne für die Favoritin. Dabei deutlich zu erkennen, dass Petkovic sich nicht mehr rund bewegte. Es folgte eine Behandlungspause, an dessen Ende die 29-Jährige leider aufgeben musste. Damit ist für die Darmstädterin in diesem Jahr bereits zum neunten Mal ein WTA-Turnier schon nach der Auftaktrunde wieder beendet.
http://www.insideout-tennis.de/petko...etzt-aufgeben/

Sep 2nd, 2016 12:24 AM
selesia
Re: Petko Articles & Interviews

PETKO’S WORLD: THE MEANINGS, MUSINGS AND MEDITATIONS


(...)This year has been tough. She’s only scored more than two wins at one tournament (Doha), her ranking has fallen to No. 43, and today she was dismissed by the young Swiss Belinda Bencic, 6-3, 6-2.

Still the thoughtful German was upbeat.


“I was there. It’s really the story of the season for me…I lose focus for four or five minutes. I was really close. [But then] I start to play more hectically and go for shots that aren’t sensible…

It’s been a difficult process, but I’m glad that I can still view it as a process. I stepped ahead, but that’s not the step that I need. There’s a bigger step in front of me…Mentally, I’m much more calm…[When] I lost this year I was calm and didn’t panic. It was just that the decisions I made were wrong [like] going down the line too early, going for too little, going for too much. I just haven’t found the balance.

“With Angie [Kerber], who has been so confident, she always makes the right decision. It’s not like she’s been a whole different player this season than last. She just makes the right decisions.

It’s a snowball effect. You can’t really control it…It’s ten decisions [a season], but if you put it down to what it is, it’s maybe just that one decision in that one match that gets you the win. That just changes the whole nine or ten decisions that come after it. Sport is so interesting and philosophical.”


Petkovic continued by saying that the mental side of tennis is what she loves most about the sport.

“It’s very challenging. It’s a matter of controlling your emotions. It’s a matter of facing adversity and in really small periods of times making decisions…The decisions can make a whole different outcome when you look back at the end of the season. What I just need in life is something that challenges me and tennis has been the most challenging thing because I can’t just work through it by reason, I need other things. I need trust…[and] things that are beyond reason. That’s when you play best, when you don’t think and you just play. That’s been the thing that’s very tough for me. That’s the challenging part and I enjoy it.”

Inside Tennis then asked Petkovic, “Does it ever strike you that tennis is a simple rectangle with a net, but it’s such a moveable feast of problems and challenges?”

Andrea replied, “Especially at the beginning of the year…I sort of fell into panics when it was close…I was scared of losing. That held me back. I could feel my muscles tighten up – being stiff and moving in slow motion. I worked through this with mental work and meditations. Now I’m fine with my emotions…[But] I over-think. I want to do the right thing, instead of going with what I feel. That’s the next step.

“[As for my meditations] it’s just mindfulness and sitting in silence, which is already tough for me because there are no silent moments in my life, which is kind of exciting also. [Laughs] There are a few people inside talking to me. [So I’m] just trying to streamline my thoughts and stay more with myself. I have more trust in myself and that’s been something that has helped me through the tough losses…[which have] probably been the longest I’ve had in my career.”


Petkovic is a reflective feminist who’s interested in politics, so we pivoted and asked whether Hilary Clinton getting elected would be a big deal internationally or not.

“In Germany,” she replied, “It really isn’t that big a deal. We’ve had a great chancellor, Angela Merkel, for a long time, and we’re all very satisfied with her. We feel we’re in very good hands. It’s not huge thing for us, but then again America has always been country that is leading, and it has been an idol for other countries, so having a woman president would be very special.

PETKO?S WORLD: THE MEANINGS, MUSINGS AND MEDITATIONS OF ANDREA PETKOVIC | InsideTennis.com
Sep 1st, 2016 09:17 AM
Fury
Re: Petko Articles & Interviews

Quote:
Der freie Fall der einstigen deutschen Tennis-Frontfrau Andrea Petkovic geht ungebremst weiter: Auch bei den US Open in New York scheiterte die frühere Top-10-Spielerin am Einzug in die dritte Runde - viel zu wenig für die Ansprüche der ehrgeizigen Darmstädterin. Gegen die zuletzt lange verletzte Schweizerin Belinda Bencic unterlag Petkovic nach einer schwachen Vorstellung in 1:25 Stunden 3:6, 2:6.

"Ich bin frustriert, aber nicht panisch oder besorgt", sagte Petkovic: "Ich erwarte viel mehr von mir, aber es ist das erste Mal, dass ich noch an mich glaube, während alle um mich herum den Kopf verlieren." Vom "Kater der vergangenen Saison", als sie laut über ihr Karriereende nachgedacht hatte, erhole sie sich nur langsam.

Schon bei den Grand-Slam-Turnieren in Melbourne (1. Runde), Paris (2.) und Wimbledon (2.) sowie den Olympischen Spielen in Rio (1.) war Petkovic früh ausgeschieden. Die harte Arbeit mit ihrem Trainerteam um den Ostwestfalen Jan de Witt schlägt sich nicht in den erhofften Ergebnissen nieder - noch nicht, meint zumindest Petkovic. "Ich liebe Tennis und warte darauf, dass diese Liebe irgendwann erwidert wird", sagte die 28-Jährige.

Platz 43 - Tendenz fallend

Seit dem Halbfinale beim WTA-Turnier in Dubai im Februar reiht sich jedoch eine Enttäuschung an die nächste. Nur noch einmal, beim Rasenturnier im britischen Eastbourne, gewann Petkovic zwei Matches nacheinander, in der Weltrangliste liegt sie nur noch auf Platz 43 - Tendenz fallend. Die spielerischen Fortschritte, von denen sie selbst spricht, sind höchstens marginal zu erkennen, gegen Bencic nicht einmal das.

Dabei standen Petkovics Chancen vor dem Match gegen den hochtalentierten Teenager nicht schlecht. Nach der Handgelenksverletzung, die Bencic in Wimbledon zur Aufgabe und abschließend zur Absage ihrer Olympia-Teilnahme gezwungen hatten, absolvierte die Weltranglisten-26. bis zu den US Open gerade einmal zwei Partien, die sie beide verlor. Das Selbstvertrauen und die Selbstverständlichkeit, im richtigen Moment den richtigen Ball zu spielen, fehlte beiden Spielerinnen. Sie reihten Fehler an Fehler.

Petkovic blickt nach vorne

Es entwickelte sich ein Auf und Ab, bei dem Petkovic allerdings stets hinterherlief. Im ersten Satz startete sie schwach, holte den 0:3-Rückstand auf, knickte leicht mit dem rechten Fuß um und gewann kein Spiel mehr. Im zweiten Durchgang vergab Petkovic beim Stand von 1:1 drei Breakbälle zur ersten Führung des Spiels und verlor nach einem von insgesamt 27 einfachen Fehlern selbst ihren Aufschlag zum 2:4. Mit einem langgezogenen Schrei machte sie ihrem Frust Luft, doch es half nichts mehr.

Für Petkovic war es die zweite Niederlage im zweiten Aufeinandertreffen mit Bencic, das erste hatte sie beim Fed Cup in Leipzig zu Beginn des Jahres verloren. Die beste Saison ihrer Karriere mit den Viertelfinals in Melbourne, Paris und New York liegt bereits fünf Jahre zurück, dennoch steckte sie sich nach ihrem Olympia-Aus ein Langzeit-Ziel: "Rio war eines der schönsten und enttäuschendsten Erlebnisse zugleich. Es gibt mir genug Motivation, Tokio 2020 anzugehen." Zunächst muss sie jedoch die nächste Enttäuschung überwinden.
Tennis-Saison läuft denkbar schlecht: Petkovic setzt ihre Pleitenserie fort - n-tv.de
Aug 31st, 2016 02:37 AM
selesia
Re: Petko Articles & Interviews

English version of the Interview from WTA Insider's blog:

Quote:
Andrea Petkovic was very relieved to get through a potentially tricky first round match against Montreal semifinalist Kristina Kucova. She reflected on her sub-par season after the match:

"Results-wise not as I wished and not as I planned but I think it's going really well because I still love what I do and it's good for me that it hasn't been going so well. I've been struggling and I'm disapointed by how it went but if I had reaped the rewards immediatley after making the decision to stay and keep playing I think that would have been too easy. It would have been the easy way out.

"I like that it's been a struggle and that it's something that I have to prove to myself that I wanted and not just like 'Oh, I want to keep playing tennis and I'm winning, of course it's easy to stick with something you love. But to find out if it's something you truly and deeply love, when it's not going so well I think it was a really good year for me."

"The love [for the sport] has been consistent. I'm still waiting for the rewards. I still think tennis could give something back. It's a one-way love right now. I've been in those before and it normally doesn't end so well. But I'm really positive that it can still turn around and lately I can feel it coming back a little more. So now I'm playing hard to get."
Aug 30th, 2016 08:12 PM
matthias
Re: Petko Articles & Interviews

Warum spielt sie dann nicht NewHaven Quali?
Aug 30th, 2016 07:52 PM
Fury
Re: Petko Articles & Interviews

Quote:
Von Jürgen Schmieder, New York
Natürlich ist es nichts weiter als eine heitere Nichtigkeit, wenn sich Andrea Petkovic nach ihrem Sieg gegen Kristina Kucova den Zeigefinger gegen die Schläfe drückt und für exakt 1,3 Sekunden mit den Hüften wackelt. Man kann so was affig finden, es kann aber auch zu zwei der drei wichtigsten Erkenntnissen führen, die einen das Leben so lehrt: dass eine heitere Nichtigkeit niemals nichtig ist und dass die Liebe ein seltsames Spiel ist, die vom einen kommt und zum anderen geht und einem alles nehmen kann.

"Tennis und ich - das war in diesem Jahr eine ziemlich einseitige Liebe", sagte Petkovic später, die seit Februar nur ein Mal die dritte Runde eines Turniers erreicht und bisweilen gleich die erste Partie verlor. Tennis ist ebenfalls ein seltsames Spiel, das den Verlierern alles nimmt und den Siegern zu viel gibt: "Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, dass dieses Jahr so gelaufen ist, weil ich so herausgefunden habe, dass ich Tennis wirklich liebe. Ich wünsche mir natürlich, dass ich auch irgendwann mal was zurück bekomme."

"Sehen Sie sich doch Angelique Kerber an", sagt Petkovic
Petkovic, 28, hatte am Ende der vergangenen Saison nach einer 0:6, 0:6-Niederlage im chinesischen Zhuhai ihre Karriere beenden wollen, weil Tennis für sie von einem seltsamen Spiel zu einer depressiven Angelegenheit geworden war: "Ich habe entschieden, dass dies das Leben ist, das ich führen möchte. Ich trainiere wie eine Verrückte, doch das macht mir Spaß und ich werde langsam auch dafür belohnt." Sie sprach ein wenig wie der verzweifelte Verliebte, der unter dem Fenster der Angebeteten ein Liedchen trällert - und sich schon darüber freut, wenn die holde Maid nicht gleich die Fensterläden zuknallt.
"Privat würde ich so was nie machen", sagte Petkovic nun: "Ich brauche ein paar Siege, damit ich mehr Partien spielen kann. Es gibt Automatismen, die kann man nicht trainieren - wie beim Satzball im ersten Durchgang: Ich habe den Ball mit der Rückhand einen halben Meter ins Aus geprügelt. Hätte ich schon zwei Matches gespielt, dann hätte ich diesen Ball sicher reingespielt." Das klang freilich wie der glücklose Stürmer beim Fußball, der behauptet, dass er bald wieder ganz viele Tore schießen werde, wenn er endlich mal wieder ein Tor schießt: "Sehen Sie sich doch Angelique Kerber an: Die spielt gerade immer den richtigen Ball, weil sie das Selbstbewusstsein dazu hat."
US Open - Lehren des seltsamen Spiels - Sport - Süddeutsche.de
Aug 7th, 2016 01:29 AM
selesia
Re: Petko Articles & Interviews

Petko's mood is pretty good:

Tennis bei Olympia in Rio

Andrea Petkovic scheitert - und ist trotzdem froh


Bitterer Moment für Andrea Petkovic bei Olympia in Rio. Die deutsche Tennis-Spielerin schenkt in Runde eins ein Spiel her, das sie locker hätte gewinnen können. Nach dem Aus überrascht sie mit ihrer Reaktion - denn sie freut sich über das Spiel.


Man wird nicht schlau aus Andrea Petkovic. Gerade hat sie ihr Erstrundenspiel bei Olympia verloren, hat gegen ihre ukrainische Gegnerin Elena Svitolina, 21, den letzten Ball mit der Vorhand ins Netz geschlagen und ein Match tatsächlich noch abgegeben, das sie im ersten Satz dominiert hatte.

Jetzt steht die Deutsche mit ihrem roten Handtuch um den Hals in der Abenddämmerung von Rio de Janeiro und freut sich wie ein kleines Kind, das sein Geburtstagsgeschenk aufmacht.
"Ich bin sehr froh über die Erfahrung, hier dabei gewesen zu sein", sagt sie, "es hat mich hier alles wieder daran erinnert, warum ich einst angefangen habe, Tennis zu spielen."

Seit mehr als zehn Jahren kurbelt sich Petkovic, mittlerweile 28 Jahre alt, nun schon durchs "Hamsterrad", wie sie das Filzball-Business nennt, "in dem es weitgehend um Geld und Punkte geht".

Gerade in den vergangenen Jahren beschlich Beobachter oft das Gefühl, dass sie es leid sei, sich abzustrampeln, dass sie nicht mehr nach Niederlagen weinen und nach schlimmen Verletzungen in ein seelisches Loch fallen möchte.

Und ausgerechnet jetzt, nach einer ihrer bittereren Schlappen, beteuert sie, neue Kraft geschöpft zu haben und "vielleicht in vier Jahren" in Japan noch einmal bei den Spielen antreten zu wollen?

Wer Petkovic in Rio zusah, schaute auf eine bis in die letzte Sehne durchtrainierte Sportlerin. "Ich habe mir in den vergangenen Tagen hier auch noch mal viele andere Trainingsübungen von Sportlern abgeschaut", sagt die Hessin.

Sie hat das alles aufgesaugt, die Atmosphäre, die Farben, die brasilianische Freundlichkeit, die unglaublich vielen Reize im Olympischen Dorf. Einmal saß sie allein im Tisch in der Mensa, als sich plötzlich sechs Kongolesen neben sie setzten und sie in ein Gespräch verwickelten.
Sie plauderte mit allen Athleten, die sie treffen konnte, und entdeckte neu, "warum wir letztendlich alle ein gemeinsames Ziel haben".

Das ist es, was sie mitnimmt aus Rio auf die nun anstehende US-Tour. Das ist es, was ihr Mut macht, vielleicht doch noch mal eine bessere Spielerin werden und in der absoluten Weltspitze angreifen zu können.

Im Training sei sie viel variabler geworden und bereite viele Vorhandpunkte mit Finessen vor – wie auch gegen Svitolina im ersten Satz. Danach aber war Petkovics Aufschlag plötzlich keine Waffe mehr, und da sie nur noch darüber nachdachte, wie sie ihn wieder aktivieren kann, vergaß sie das Spielen. Das Kopfkino hatte wieder eingesetzt, das ihr schon so oft zu schaffen machte.
Letztlich wird sie nur dann noch mal richtig durchstarten können, wenn sie es endlich ausschalten kann.

Olympia 2016: Andrea Petkovic glücklich trotz Tennis-Aus - FOCUS Online
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