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View Full Version : Fortsetzungsroman TENNIS KRIMI


DiNaPic
Feb 11th, 2003, 10:12 AM
This is a writing project in GERMAN language. We are going to write a crime story around the GERMAN OPEN of Berlin.
If you can understand GERMAN, enjoy the posts. If you can write in German, you are invited to contribute. If you can read German, but not write, you are welcome to post your ideas in a personal mail to the undersigned, who will try his best to put it into German language and post it here.

In diesem Projekt wollen wir einen Kriminalroman schreiben, der während der GERMAN OPEN in Berlin spielt. Jeder ist eingeladen, seine Ideen zu posten, ob mit einem Satz, einem neuen Absatz oder einem ganzen Kapitel, wie jeder will und kann. (Und wer nur eine grobe Idee hat, kann die natürlich auch posten, damit sie jemand anderes dann umsetzt und ausformuliert)

Über den Titel werden wir entscheiden, wenn feststeht, welches Verbrechen überhaupt geschehen ist: wird der Pokal gestohlen? wird dem Turnierdirektor das Jackett entwendet? Oder wird gar ein Attentat verübt?

Nur einige Regeln wollen wir bitte beachten:
:devil: Alles soll realistisch ablaufen (also bitte keine Zaubereien, Zeitreisen oder Fliegende Teppiche),
:devil: Bitte benutzt keine QUOTE, die frühere Posts nur wiederholt, und bitte lasst eure Signaturen weg, damit man leichter und flüssiger lesen kann. (Den Haken vor "Show Signature" wegklicken)
:devil: Bitte benutzt keine Originalnamen von Spieler(innen), Offiziellen oder Zuschauern, sondern verschlüsselt sie je nach Belieben (also vielleicht “Lissy Herzog” statt “Steffi Graf”, oder “Helene Diddelidou” statt “Eleni Daniliidou”)
:devil: …. und am Ende soll das Kommissaren-Duo Michael Strich und Doris Baecker natürlich alles auflösen….
:bounce:
Wir freuen uns auf eine lustige und spannende Geschichte. Mit dem Anfang geht’s los:

DiNaPic
Feb 11th, 2003, 10:12 AM
Carl Maria von Lankowitz war früh dran an diesem Freitagmorgen, dem letzten Tag vor Beginn der GERMAN OPEN in Berlin. Er parkte sein Auto auf dem Besucherparkplatz des Clubs, dessen Benutzung den Angestellten zwar ausdrücklich untersagt war, aber Carl wusste aus vertraulicher Quelle, daß der einzige, der sich trauen würde, ihn darauf anzusprechen, heute nicht im Club sein würde: Clubchef Kunibert Venske war heute in geheimer Mission unterwegs; so geheim, daß nur Carl davon wusste, und das auch nur, weil er selbst Herrn Venske gestern abend zum Bahnhof gefahren hatte. Alle anderen Clubmitglieder hätten es nie gewagt, ihn auf sein Vergehen des Falschparkens aufmerksam zu machen, denn Carl war eine Respektsperson im Club. Er war seit 35 Jahren im Club; angefangen hatte er damals noch als einfacher Platzwart, heute war er sozusagen die rechte und die linke Hand des gesamten Clubvorstands gleichzeitig. Damit war auch klar, daß es heute für ihn ein stressiger Tag werden würde. Der Höhepunkt des Jahres stand unmittelbar bevor: die Offenen Deutschen Tennismeisterschaften sollten, wie schon seit Jahren, wieder in “seinem” Club ausgetragen werden, und da das auch in den nächsten Jahren so bleiben sollte, würde natürlich alles perfekt organisiert ablaufen müssen. Deshalb machte Carl, noch bevor er in sein Büro hinaufging, eine schnelle Runde über die Clubanlagen.

S-T-E-V-E
Feb 11th, 2003, 07:31 PM
Er lief ohne an etwas schlimmes zu denken. Doch plötzlich kam hörte er Schreie im Gebüsch. Was kann dass nur sein?

wencky
Feb 11th, 2003, 07:57 PM
.....aber es waren nur ein paar häßliche Enten, die am Hundekehlesee um ein Stück Brot stritten....also machte er sich auf zur Geräteschuppen um sein Werkzeut zu holen.....

wencky
Feb 11th, 2003, 08:00 PM
Denn Carl ließ es sich nicht nehmen das Netz auf dem Center Court jedes Jahr selbst zu spannen...aus Tradition....

Frau Antje
Feb 11th, 2003, 08:04 PM
Nachdem er seine obligatorische Runde gedreht hatte, ging er in sein Büro. Er hing seine Jacke an den Haken, so wie er es immer machte. Er ging in die kleine Küche, holte sich einen Kaffee, so wie er es immer machte. Eigentlich machte er alles wie immer, aber irgendetwas war heute anders.

DiNaPic
Feb 12th, 2003, 11:25 AM
Und die Tatsache, dass sein Mousepad falschherum auf dem Schreibtisch lag, war es nicht; so pingelig war er eigentlich nie mit seinen Sachen.
Auch, dass die Morgenzeitungen noch nicht dort lagen, wo sie hingehörten, war es nicht, was ihn störte. Schliesslich war er früher im Büro als sonst, und seine Sekretärin Verena Geldhusch, die die Zeitungen jeden Morgen vom Bahnhofskiosk mitbrachte, war ja schliesslich auch noch nicht da.
Nachdem er sich also im ganzen Büro umgeschaut hatte, was es war, was ihm dieses komische Gefühl vermittelte, er aber nichts auffälliges finden konnte, ging er automatisch ans Fenster und blickte abwesend über die Tennisplätze vor dem Vereinsheim; und da fiel ihm endlich doch auf, was er die ganze Zeit übersehen hatte: mitten auf dem Center Court stand ...

S-T-E-V-E
Feb 12th, 2003, 12:46 PM
eine junge, hübsche frau mit rotbraunen haaren, die mit gewaltiger Kraft Bälle auf die andere Seite schlug. Sie war von oben bis unten mit Muskeln bepackt und hatte nur Hotpants sowie ein knappes Bustie mit einem "F" an.

DiNaPic
Feb 12th, 2003, 02:56 PM
Carl hatte schon viele Spielerinnen gesehen, berühmte und unbekannte, junge und alte, schlanke und dicke, gut aussehende und – naja, weniger gutaussehende, aber so eine wie diese noch nicht. Angesichts des grossen “F” war ihm aber natürlich sofort klar, um wen es sich handelte, geisterte ihr Name doch schon seit Wochen durch die Lokalpresse: kommt sie nun, oder kommt sie nicht:

Foxy Millions !

Da war sie nun, die lebende Legende aus den USA. Und Kunibert Venske, der Turnierdirektor, war nicht da! Carl war sicher, Herr Venske wäre jetzt sofort hinübergelaufen und hätte sie mit einem großen Blumenstrauß begrüßt, und hätte sich dabei mit seinen katastrophalen Englischkenntnissen wieder mal bis auf die Knochen blamiert.
Jetzt wäre es eigentlich Carls Aufgabe, sie zu begrüssen, aber er konnte eigentlich noch weniger Englisch, und einen einfachen Blumenstrauss wollte er ja nun auch nicht verschenken. “Den bekommt sie sicher auf jedem Turnier,” dachte er sich, “und dann verwelkt er doch in ihrem Hotelzimmer. Da aber Berlin schon immer etwas besonderes war, werde ich ihr auch etwas besonderes schenken, und ich weiss auch schon, was! In meinem Schrank habe ich ja für solche Fälle noch meinen letzten …

Frau Antje
Feb 12th, 2003, 07:39 PM
Teller aus echtem Meißner Porzellan, hergestellt im Jahre 1837, und damit DAS angemessene Geschenk für Foxy Millions. Carl wußte, daß Foxi Antiquitäten aus Leidenschaft sammelte und freute sich schon jetzt wie ein kleines Kind darauf, Foxy endlich dieses wertvolle Geschenk überreichen zu dürfen. Er schloß also den Schrank auf, nahm den kleinen Tresor heraus, griff in seine Brieftasche, um den kleinen Tresorschlüssel herauszuholen, von dem nur er und sein Chef Kunibert Venske einen hatte. Er schloß also den Tresor auf und ...

wencky
Feb 12th, 2003, 07:49 PM
Carl schob seine Brille richtig auf die Nase...er konnte es nicht fassen, traute seinen Augen nicht, doch es war wie es ist:

Der Teller war nicht aus dem Jahre 1837 sondern 1974! Ein Plagiat! Fast wäre er ihm aus den Händen gefallen, der Schock saß tief. Was nun??????

Frau Antje
Feb 12th, 2003, 08:17 PM
Dabei hatte er den Teller vor vielen Jahren auf einer Auktion ersteigert und hatte sogar ein Echtheitszertifikat. Das konnte doch nicht sein? Hatte er damals tatsächlich eine Fälschung erworben oder hatte ihm da jemand den Teller aus echtem Meißner Porzellan entwendet und ihm stattdessen den falschen untergeschoben? Er beschloß, der Sache auf den Grund zu gehen. Noch neben dem verschwundenen Teller gab es noch immer ein Problem: Foxy's Geschenk

DiNaPic
Feb 13th, 2003, 09:54 AM
Carl stellte den Teller zurück in den Tresor und griff sich kurz entschlossen den Teddybären mit dem Berliner Wappen auf dem Bauch, den seine Sekretärin Verena Geldhusch immer neben ihrem Schreibtisch stehen hatte, und eilte die Treppe hinab, lautstark über die Kieselsteine stürmend, mit denen der Vorplatz ausgelegt war. Als er an der Treppe des Center Courts angekommen war, hatte er so viel Geschwindigkeit drauf, dass er fast der Länge nach auf die Stufen geknallt wäre, aber im letzten Moment konnte er sich noch absichern. “Nur nicht den Teddybären in den Dreck fallen lassen,” dachte er sich, “dann stehe ich ganz mit leeren Händen da.” Bei der schlichten Vorstellung, im letzten Moment alles zu vermasseln, lief ihm schon der Angstschweiss den Rücken hinab. Oben auf der Ballustrade angekommen, wollte er schnell die Zuschauerreihen hinab, auf den Platz, aber blieb doch verwundert stehen:

wo war Foxy Millions?

Der Center Court lag verwaist da, Foxys Schlägertasche, das Springseil, und mehrere Tennisschläger lagen auf der Spielerbank, und etwa fünf oder sechs Tennisbälle lagen verteilt auf dem Court, aber von Foxy keine Spur.
Carl schaute sich um: gerade war sie doch noch da gewesen, hatte Aufschläge geübt. Wo war sie nun abgeblieben?

Frau Antje
Feb 13th, 2003, 12:24 PM
aber da kam sie auch schon um die Ecke gebogen, hatte ihr kleines Hündchen dabei, daß sie seit einiger Zeit auf Tennisturniere begleitete. Der kleine Fips, wie er hieß, mußte wohl nur mal schnell Gassi

DiNaPic
Feb 13th, 2003, 01:18 PM
Carl eilte die Stufen hinunter, um bei Foxy zu sein, bevor diese ihren Schläger wieder in die Hand nehmen und das Training fortsetzen würde, denn dann würde er lange auf eine neue Pause warten müssen. Als Carl den Court betrat, kam Fips laut kläffend auf ihn zu gerannt, und als er nur noch einen Meter vor ihm stand, blieb er stehen, aber mit dem lauten Kläffen hörte er nicht auf. Es war nur ein sehr kleiner Hund, aber dafür war das Kläffen um so lauter. Carl hatte noch nie Angst vor Hunden gehabt, ja, er hatte sogar immer insgeheim über Leute gelächelt, die diese Angst äusserten, aber in diesem Moment wusste er denn doch nicht weiter. Zum Glück rief Foxy ihren Hund zurück, und der gehorchte sofort.
Carl ging hinüber zu Foxy, um sie zu begrüssen und um das Geschenk zu überreichen. Aber was sah er? Das war ja gar nicht Foxy Millions! Das war doch ihre Schwester:

Fix Millions !

Frau Antje
Feb 13th, 2003, 09:18 PM
Wie konnte das passieren? Wie konnte er nur die beiden Schwestern verwechseln? Foxy, die muskelbepackte und Fix, die schlanke graziöse.
Aber da stand Fix Millions nun auch schon vor ihm um sah ihn fragend an. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als Fix das Geschenk zu überreichen, was ja eigentlich für ihre Schwester bestimmt war. Eine Frage brannte ihm auf den Lippen: Wo war Foxy?

DiNaPic
Feb 14th, 2003, 07:48 AM
“Hi, Miss Millions. Long time no see. How goes it you?” fragte Carl in seinem besten Englisch.
“Sie kunnen deuce mit mich sprecken,” sagte Fix, “Foxy and ick habben ihre Spracke gelernt, weil wir Deuceland so lieben!” –
“Ja, das ist ja wonderfull,” fiel Carl ein Stein vom Herzen, “aber wo Sie sie grad erwähnen: wo ist Ihre Schwester Foxy? Sie soll doch hier auf unserem Turnier ihren Titel verteidigen!”
“Oh, wissen Sie,” erwiderte Fix Millions, “das is ein lange Geschichte…

S-T-E-V-E
Feb 14th, 2003, 12:47 PM
"sie hatte sich beim Koffertragen in Rome am Flughafen das Handgelenk verletzt" sagte sie. "Eine ganz schreckliche Sache, doch ich bin gekommen, und ich denke ich bin ein würdiger Ersatz für sie!"

wencky
Feb 14th, 2003, 07:28 PM
"Und Sie müssen wissen, mein großes Ziel ist es einmal, meinen Namen in BILLIONS umzuschreiben!
Hier gibt es ja einiges zu gewinnen nicht wahr? Ich würde sogar über Leichen gehen, um eines Tages tatsächlich meinen Traum wahr zu machen!"

S-T-E-V-E
Feb 14th, 2003, 08:06 PM
Nachdem sich die beiden noch unterhalten hatten, ging Fix in die Umkleidekabine, um sich zu duschen und sich danach in einen abartig hässlichen Catsuit zu zwängen.

DiNaPic
Feb 15th, 2003, 12:18 PM
Diesen Anblick konnte Carl aber nicht mehr geniessen, da er zu diesem Zeitpunkt schon längst wieder in seinem Büro war. Zwei Sachen waren unbedingt zu erledigen: erstens musste der Turnierdirektor informiert werden, dass Foxy Millions nicht spielen würde, sondern ihre Schwester Fix. Und zweitens, und das war ihm eigentlich noch wichtiger, musste geklärt werden, wo das Original seines Meissner Porzellantellers von 1837 abgeblieben war. Er öffnete noch einmal seinen kleinen Tresor und betrachtet noch mal die Nachbildung von 1974. Auf den ersten Blick eine täuschend echt gemachte Arbeit, aber Carl war Experte, und jetzt, nachdem er erkannt hatte, dass es eine Nachbildung war, war im unerklärlich, wie er sich hatte täuschen lassen. Wie lange mochte diese Nachbildung im Tresor gelagert haben? Carl versuchte, sich daran zu erinnern, wann er das letzte Mal in den Tresor geschaut hatte, aber er konnte sich nicht erinnern.
Da klingelte das Telefon auf seinem Schreibtisch. Da seine Sekretärin Verena Geldhusch immer noch nicht da war, und also niemand das Gespräch durchgestellte hatte, musste es eine vertraute Person sein, denn seine direkte Durchwahl kannten nur wenige Leute. Er hob denn Hörer ab und meldete sich mit einem schlichten „Ja?“.
„Hey, Kalle, ick bins, Kuni. Wie isset? Loft allet?“
„Ja, sicher, alles ok,“ erwiderte Carl, völlig abwesend, immer noch über den Teller nachdenkend, und deshalb vergass er völlig die Geschichte mit Fix und Foxy Millions: „wo biste denn?“
„Also, Kalle, wenn ick dir det erzähl, kippste um. Det globste nich. Also ....

DiNaPic
Feb 17th, 2003, 12:10 PM
Kunibert Venskes Stimme wurde immer lauter. Carl kam es vor, als höre er ihn jetzt sogar in stereo, obwohl er den Hörer ja nur an seinem linken Ohr hatte. Aber Kuniberts Stimme kam auch von rechts!
"... ick steh neben dir!"

Carl erschrak, denn die letzten Wörter waren nun wirklich sehr laut gesprochen worden, und drehte sich um. Tatsächlich: da stand Kunibert vor ihm, mit seinem Mobiltelefon am Ohr, und lachte.

Frau Antje
Feb 17th, 2003, 06:44 PM
Carl immer noch ganz erschrocken, ließ fast das Telefon fallen, als Kunibert plötzlich vor ihm stand. "Aber Kuni", sagte Carlo verdaddert, "was machst Du denn hier. Ich denke Du bist in ...". "Psssst", sagte Kunibert, "willst Du, daß alle von meiner geheimen Mission erfahren?"

tarah
Feb 17th, 2003, 07:17 PM
In diesem Moment kam der erfolgreiche Davis-Cup-Trainer Mark Schnure ins Büro und war ganz hellhörig!!! "Was für eine geheime Mission?", fragte er.

DiNaPic
Feb 18th, 2003, 08:09 AM
„Moin Moin, Mark,“ sagte Kunibert, „wenn ick det jeden erzähl, isset ja nicht mehr geheim, weeste. Aber ihr werdet‘s morgen nachmittag erfahren, bei der Auslosung fürs Hauptfeld. Is versprochen! Aber wat verschafft uns die Ehre, wa?, für deinen frühen Besuch, Mark?“
„Ich wollte mir das Training von Dagmar Taschentuchova anschauen, aber ich glaube, sie ist noch gar nicht da, denn auf den Trainingsplätzen ist niemand,“ erwiderte Mark, sichtlich enttäuscht, nichts aus Kunibert herauszubekommen. „Dann geh ich mal in die Players Lounge zum Frühstücken.“ –
„Jau, mach det,“ verabschiedeten Carl und Kunibert ihn gemeinsam.
Kaum war Mark aus der Tür, sprudelte Carl los: „Ja, Kuni, nu erzähl doch, wie isses gelaufen?“ -
„Is allet klar, Kalle, sie kommt! Sie hat versprochen: sie kommt!“ strahlte Kunibert über alle vier Backen.
Seine Begeisterung steckte auch Carl an: „Echt, Kuni? Glückwunsch! Mensch, Kuni, das ist der genialste Schachzug der deutschen Tennisgeschichte! Ich sehe schon die Schlagzeilen vor mir:

Frau Antje
Feb 18th, 2003, 05:46 PM
"Maria S. Gräfin von Vorhand gibt Comeback an der Hundekehle"

DiNaPic
Feb 19th, 2003, 02:00 PM
“Maria Stefanie… soviel Zeit muss sein!” Kunibert hob beschwichtigend die Hände, “und ausserdem is det so ja gar nich richtig: sie hat nur für unser Turnier zujesacht, und extra betont, dass sie anschliessend nie mehr spielen wird.” -
“Na, auf einem Turnier zu spielen, und nicht nur aus Spass auf einem Schaukampf, das ist doch ein Comeback, was denn sonst?” Carl wollte sich seine Schlagzeile nicht kaputtmachen lassen. “Aber jetzt erzähl doch mal: wie hast du sie überreden können, sie hat sich doch seit Jahren geweigert, noch mal zu spielen?” –
“Ick hab se mit Jeld überredet,” lachte Kunibert. “Weeste, hier lag doch neulich so’n oller Teller ‘rum, so’n blauer, und als mich hier een Bekannter letzte Woche besuchte, bot er mir spontan 5.000,- Euro dafür. Ick hab ihm det olle Ding gleich einjepackt, und am nächsten Tag brachte er mir das Bare. Weeste. Und da hab ick jedacht, von det Jeld koofste wat Besonderes! Und die Gräfin von Vorhand is doch wat besonderet, wa?”
“Das kann man so sagen, ja,” aber was war’n das für’n Teller? War da ein blaues Wappen drauf? Und so ne Zeichnung, oder so?” –
“Ja, genau, hast’n ooch jesehn? Der lag hier am letzten Montag früh uff’m Sideboard, als ick in’s Büro kam. Sah nett aus, da hab ick’n jleich einjesackt. Hätte nich jedacht, det der 5.000,- Euro wert is.” –
“Nee, isser auch nich,” Carl wurde krebsrot vor Wut: “der war mindestens das zehnfache wert, du Idiot!”

DiNaPic
Feb 20th, 2003, 12:36 PM
“Echt jetzt?” Kunibert konnte es kaum glauben. “Naja, macht ja nischt, für die Gräfin hat’s ja auch so jelangt.” –
“Na, du machst mir Spass, wir hätten zehn Gräfinnen einkaufen können!” brüllte Carl vor Wut, “abgesehen davon, dass ich den Teller niemals verkauft hätte, auch nicht für 50.000,- !!!”
“Siehste,” entgegnete Kunibert ganz ruhig, “denn hättn wa jetz gar keene Gräfin!” --
“Nee, sicher nicht, aber ich hätte meinen Meissener Teller noch!”
“DEIN Meissener Teller? Wieso deiner? Wie kommst’n dadruf?” das war Kunibert ja das Neueste.
“Ja, das ist doch klar. Ich hatte ihn seit Jahren im Tresor im Wandschrank, und plötzlich steht da jetzt nur ‘ne billige Nachbildung von 1974. Es muss mein Teller gewesen sein, den du da gefunden hast!” Carl war sich völlig sicher.
“Und wie kommt der Teller denn aus deim Tresor uff det Sideboard, wo ick ihn Montag früh jefunden hab?” –
“Jemand wird ihn da hingelegt haben,” war für Carl die einzige Möglichkeit.
“Ja, det weess ick ooch,” entfuhr es Kunibert, “det er nich jefloren is, davon könn wa wohl ausjehn.”
Carl und Kunibert blickten sich rat- und wortlos an. Dem war nichts hinzuzufügen.
“Schoenen guten Morgen allerseits, “ piepste es plötzlich in die Stille. Verena Geldhusch, die Sekretärin des Tennisclubs, kam hereinspaziert. Sie trug eine weit ausgeschnittene weiße Bluse, aber was man darunter sah, interessiert Carl und Kunibert heute nicht, denn das hatten sie schon öfter gesehen; und wegen des enganliegenden schwarzen Minirocks, der wieder so kurz war, dass sie heute wahrscheinlich wieder den ganzen Tag im Stehen arbeiten musste, drehten sie sich auch nicht mehr um.
Verena brachte wie jeden Tag mehrere Tageszeitungen mit, die sie immer am Bahnhof Zoo einkaufte, und knallte den ganzen Stapel auf den Schreibtisch. Sofort fielen Carls und Kuniberts Augen auf die Schlagzeile der obersten Zeitung:
"Olga Tournikova gibt auf und spielt ihr letztes Profimatch in Berlin!"
Carl und Kunibert blickten sich nochmal mit großen Augen an.

DiNaPic
Mar 2nd, 2003, 11:45 AM
Kunibert griff sofort nach der Zeitung und begann laut vorzulesen:

"Berlin - Für die Tennisdiva Olga Tournikova, die seit Beginn ihrer Karriere noch nie ein Turnier im Einzelwettbewerb gewonnen hat, wird die Zeit knapp, wenn sie dies doch noch schaffen will: auf einer Pressekonferenz in London anlässlich ihrer offiziellen Verlobung mit dem Eishockeyspieler Alexej Russkykow gab sie bekannt, sie sei im dritten Monat schwanger und werde deshalb auf dem am Montag beginnenden Turnier in Berlin ihre Abschiedsvorstellung geben. "Ich hoffe, es wird nicht gleich in der ersten Runde sein…" fügte sie scherzhaft, aber durchaus realistisch vorausblickend hinzu. Die Liaison mit Russkykow hatte sie seit Monaten bestritten, ebenso ihre Schwangerschaft, aber nun ist es offiziell: Olga Tournikova zieht sich aus dem Profitennis zurück, und auch eine Rückkehr als Mutter wird es nicht geben. "Alexej und ich freuen uns auf das Kind, und wir beide werden unsere sportlichen Aktivitäten aufgeben. Schließlich haben wir beide finanziell ausgesorgt und können ab jetzt unser Leben genießen."

Kalle hatte schweigend zugehört, solange Kunibert ihm vorlas, und sich mit zitternden Knien hingesetzt. Nachdem Kunibert geendet hatte und jetzt von der Zeitung aufblickte, sahen sie sich weiterhin wortlos an. Sie wussten beide, daß dies ungeahnte Probleme für sie beide bedeuten würde, und Kalle sprach es aus:
“Wir werden die Presseabteilung vergrößern müssen; es werden zusätzliche Journalisten und Fotografen aus allen möglichen Ländern angereist kommen…” –
“Ja, das müssen wir wohl…” stimmte Kunibert zu, aber man hörte, daß er mit seinen Gedanken ganz woanders war. “Weißt du, was noch viel wichtiger ist, und was wir als allererstes machen müssen?”

DiNaPic
Mar 12th, 2003, 08:50 AM
“Wie wär’s mit ‘nem Käffchen?” flötete Verena dazwischen.
“Ick will jetz keen Kaffe!” schrie Kunibert und wurde knallrot, “wir ham jetz janz andre Sachen im Kopp…”

DiNaPic
Mar 28th, 2003, 03:20 PM
"Aber ich würd' einen nehmen," sagte jemand, der gerade zur Tür hereinkam: der erfolgreiche Davis-Cup-Trainer Mark Schnurre war zurückgekommen; offenbar hatte Dagmar Taschentuchova ihr Training beendet.
"Ja, gern, Herr Schnure, mit Milch, mit Zucker?" flötete Verena zurück.

"Kaffekochen ist das einzige, wozu man die gebrauchen kann," dachte Kalle, aber laut sagte er: "jut, ick nehm ooch eenen."

"Du hast jetz keene Zeit zum Kaffetrinken, Mann!" kreischte Kunibert. "Du gehst jetzt übern Platz und checkst, wer von den Topspielerinnen schon da ist, und dann machen wir 'ne spontane Krisensitzung! Im Pressesaal, um zwölfe!"

"Na gut, der Tag kann ja heiter werden," sagte sich Kalle und stiefelte los. "Erstmal check ich dann wohl den Center Court" sagte er sich, "auf den anderen Plätzen ist sicher noch nichts los." Aber kaum um die erste Ecke gebogen, musste er sich eines besseren belehren lassen: